Billionenschwere Volksvermögen: Was Privatanleger von Staatsfonds lernen können
Norwegens Ölfonds, der New Zealand Superannuation Fund, der deutsche Kenfo: Staatsfonds verwalten Volksvermögen in einer Größenordnung, von der Privatanleger nur träumen können – und liefern über lange Zeiträume oft beachtliche Renditen. In Folge #81 des Scalable-Capital-Podcasts „Asset Class“ spricht Christian W. Röhl mit Denise Koch (Invesco) darüber, wie diese Fonds ticken. Die gute Nachricht: Das Erfolgsrezept ist weniger „die eine Aktie finden“ als Systematik, Governance und Asset-Allokation – und genau das lässt sich ins eigene Depot übersetzen.
„Billionenschwere Volksvermögen: So machen Staatsfonds Rendite | Asset Class #81“ – Scalable Capital, Gespräch von Christian W. Röhl mit Denise Koch (Invesco), ca. 62 Min. Eingebunden über youtube-nocookie.com. Direkt auf YouTube ansehen.
01Die Kernaussage in einem Satz
Große Staatsfonds gewinnen nicht, weil sie klüger Aktien picken, sondern weil sie breit streuen, systematisch vorgehen, klare Regeln haben und extrem langfristig denken – und genau diese Disziplin ist ihr eigentlicher Wettbewerbsvorteil.
02Die Themen des Gesprächs
03Die zentralen Thesen im Detail
Resilienz vor Maximalrendite
Ein Staatsfonds, der Renten oder künftige Generationen absichern soll, darf sich keinen Totalausfall leisten. Deshalb priorisieren die großen Volksvermögen langfristige Tragfähigkeit, Diversifikation und feste Regeln vor der kurzfristig höchsten Rendite. Auffällig: Genau diese Zurückhaltung führt über Jahrzehnte oft zu sehr soliden Ergebnissen – weil Panikverkäufe und Modetrends ausbleiben.
Faktoren statt Einzelaktien
Statt „die eine Aktie“ zu suchen, setzen erfolgreiche Fonds systematisch auf Faktorprämien:
- Value – günstig bewertete Unternehmen gemessen an Gewinn, Buchwert oder Cashflow.
- Quality – profitable, gering verschuldete Firmen mit stabilen Erträgen.
- Momentum – Titel mit relativer Stärke, die ihren Trend häufig eine Zeit lang fortsetzen.
Der Punkt ist nicht, dass jeder Faktor jedes Jahr funktioniert – sondern dass eine regelbasierte Mischung über lange Zeiträume eine Prämie liefern kann, ohne auf Einzelentscheidungen angewiesen zu sein.
Infrastruktur als Zukunftsthema
Energie, Stromnetze und reale Assets gelten im Gespräch als wichtige Ergänzung zu klassischen Aktien und Anleihen: planbare, oft regulierte Erträge und eine gewisse Nähe zur Inflation. Im Video fallen in diesem Zusammenhang unter anderem Netzbetreiber und Energiewerte – genannt werden Siemens Energy, Verbund, Terna, Elia Group und im Technologie-Kontext TSMC.
Deutscher Staatsfonds und Aktienrente
Spannend für deutsche Anleger ist der Blick auf die Diskussion um einen kapitalgedeckten Vorsorgefonds. Die Botschaft aus dem Gespräch: Ein solcher Fonds braucht ein Regelwerk, das Politikferne, Transparenz und ein professionelles Mandat sichert. Sonst droht das Geld zum „Büttel der Politik“ zu werden – etwa für Prestigeprojekte oder Haushaltslöcher – statt zur Renditequelle für die Rente.
Die Blaupause gibt es bereits: Der Kenfo (Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung) verwaltet seit 2017 die Milliarden, die die Kernkraftwerksbetreiber für die Endlagerung eingezahlt haben – öffentlich-rechtlich, aber professionell und weltweit gestreut investiert.
04Norwegen, Neuseeland, Kenfo im Überblick
| Fonds | Herkunft des Geldes | Was ihn auszeichnet |
|---|---|---|
| Government Pension Fund Global (Norwegen) | Einnahmen aus Öl und Gas | Größter Staatsfonds der Welt, hält Anteile an Tausenden Unternehmen weltweit, strenge Entnahmeregel und hohe Transparenz. |
| NZ Superannuation Fund (Neuseeland) | Staatliche Einzahlungen zur Vorfinanzierung der Rente | Langfristmandat, hoher Aktienanteil, Beimischung von Infrastruktur und Private Markets. |
| Kenfo (Deutschland) | Einzahlungen der AKW-Betreiber für die Endlagerung | Öffentlich-rechtlich organisiert, professionelles Asset Management – Vorbild für einen möglichen deutschen Vorsorgefonds. |
05Was heißt das fürs eigene Depot?
Milliarden in Private Equity oder direkt in Stromnetze stecken? Das geht für Privatanleger nicht. Die Prinzipien aber lassen sich übersetzen:
- Breit streuen: Ein globaler Aktien-ETF als Kern bildet im Kleinen ab, was Norwegen im Großen macht.
- Faktoren systematisch nutzen: Quality-, Value- oder Momentum-ETFs als Beimischung – regelbasiert statt nach Bauchgefühl.
- Infrastruktur und reale Assets mitdenken: Über Infrastruktur-ETFs, Versorger oder – wie in meinem Fall – Immobilien.
- Klare Regeln aufschreiben: Zielallokation, Rebalancing-Zeitpunkt, Sparrate. Was bei Staatsfonds die Satzung ist, ist beim Privatanleger die eigene Anlagestrategie.
- Langer Horizont: Staatsfonds denken in Jahrzehnten. Wer das auch tut, muss auf Crashs nicht reagieren.
06Mein Fazit
Eine angenehm unaufgeregte Folge, die genau den richtigen Fokus setzt: Nicht Hot Stocks, sondern Systematik machen den Unterschied. Für Privatanleger ist die Folge vor allem eine Erinnerung daran, wie wenig es eigentlich braucht – breite Streuung, ein paar systematische Beimischungen, ein Blick auf reale Assets und vor allem Regeln, an die man sich hält. Und für die politische Debatte in Deutschland liefert der Kenfo ein Argument, dass professionelles staatliches Asset Management möglich ist – wenn man es politikfern aufsetzt.
Passend dazu auf diesem Blog: Wie ich selbst investiere, zeigt mein Investment Depot. Die Makro-Lage, Zinsen und Volatilität verfolge ich laufend im Makro-Monitor, die Wirtschaft rund um den See im Bodensee Wirtschaftstracker.
- YouTube: „Billionenschwere Volksvermögen: So machen Staatsfonds Rendite | Asset Class #81“ – Scalable Capital, Christian W. Röhl mit Denise Koch (Invesco)
- Norges Bank Investment Management (NBIM): Government Pension Fund Global
- Guardians of New Zealand Superannuation: NZ Super Fund
- KENFO – Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung