China macht Ernst: Kommt der endgültige Papiergold-Stopp?

Während der Goldpreis am 28. September 2026 um rund 3,4 % eingebrochen ist, passiert in China etwas, das langfristig viel wichtiger sein könnte: Die Shanghai Gold Exchange (SGE) drängt die großen chinesischen Banken dazu, den gehebelten Papiergold-Handel für Privatanleger einzustellen. Mindestens ein Dutzend Institute ziehen bereits mit. Jan Willhöft von axinocapital fragt im neuen Video: „Endgültiger Papiergold-Stopp kommt?!“ Ich fasse zusammen, was dahintersteckt – und was das für dich als Anleger bedeutet.
▶Das Video: „China macht Ernst! Endgültiger Papiergold-Stopp kommt?!“
Video: axinocapital – Jan Willhöft, veröffentlicht am 29.09.2026 (ca. 17 Min.). Eingebunden über den erweiterten Datenschutzmodus von YouTube.
01Was genau passiert in China?
Schon im Sommer hatten erste chinesische Großbanken angekündigt, den Handel mit Edelmetall-Kontrakten der Shanghai Gold Exchange für Privatkunden zurückzufahren. Jetzt wird klarer, wer dahintersteckt: Die SGE selbst soll die Banken dazu drängen, das Geschäft mit gehebelten Gold- und Silberkontrakten für Privatanleger komplett einzustellen. Betroffen sind vor allem die sogenannten Au(T+D)- und Ag(T+D)-Kontrakte – aufgeschobene Termingeschäfte, bei denen Privatanleger mit nur einem Bruchteil des Kontraktwerts als Sicherheit handeln konnten.
Laut Berichten von South China Morning Post und FXStreet haben sich inzwischen mindestens zwölf große Institute angeschlossen – darunter ICBC, Bank of China, China Construction Bank, Shanghai Pudong Development Bank und China Everbright Bank. Mehrere Staatsbanken hatten die Sicherheitsleistung bereits auf 100 % angehoben und damit den Hebel faktisch abgeschafft. Das Ziel ist klar: Privatanleger sollen weg von der Spekulation auf Pump und hin zu physischem Metall und ungehebelten Sparplänen.
Der Aufpreis für physisches Metall bleibt hoch
Willhöft zeigt im Video, dass physisches Edelmetall in China weiterhin deutlich über dem Weltmarktpreis gehandelt wird: bei Gold ein leichter Aufschlag, bei Silber und vor allem bei Platin (laut Video über 15 %) ein kräftiger Aufpreis gegenüber der Londoner LBMA. Ein Teil davon sind Steuern und Abgaben – aber der Abstand zeigt, dass die Nachfrage nach echtem Metall in China ungebrochen ist.
02Papiergold vs. physisches Gold – der Unterschied
„Papiergold“ ist ein Sammelbegriff für alle Gold-Investments, bei denen du kein Metall in der Hand hältst, sondern einen Anspruch oder eine Wette auf den Preis. Die Risiken unterscheiden sich stark:
| Form | Was du besitzt | Hauptrisiko |
|---|---|---|
| Physisches Gold (Barren, Münzen) | Das Metall selbst | Lagerung, Diebstahl, Spread beim Kauf |
| Gold-ETC mit Lieferanspruch | Schuldverschreibung, meist physisch hinterlegt | Emittentenrisiko, Verwahrstelle |
| Goldkonto / Sammelverwahrung | Anspruch gegenüber Anbieter | Abhängig von Vertrag und Sondervermögen |
| Futures, CFDs, T+D-Kontrakte | Eine gehebelte Preiswette | Nachschusspflicht, Totalverlust, Zwangsliquidierung |
Gerade gehebelte Produkte verstärken Bewegungen wie am 28. September: Fällt der Preis schnell, werden Positionen zwangsweise glattgestellt – und das drückt den Preis weiter.
03Gold-Crash vom 28. September: Panik oder Chance?
Ein Minus von rund 3,4 % an einem einzigen Tag ist für Gold extrem selten. Willhöft ordnet es als Ereignis ein, das statistisch nur an etwa 0,2 % aller Handelstage vorkommt. Der RSI rutschte auf rund 37 und damit Richtung überverkaufte Zone; am Folgetag setzte bereits eine Gegenbewegung von etwa +1 % ein.
- Belastungsfaktor Zinsen: Laut Video erreichte die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen mit 5,26 % ein 19-Jahres-Hoch – kurzfristig Gegenwind für Gold.
- Langfristiger Rückenwind: Schuldenberge, Zentralbankkäufe und der Trend, Goldreserven zurück ins eigene Land zu holen, bleiben laut Willhöft intakt. Auch die Bank of Montreal sieht eine höhere langfristige Preisbasis.
- Seine Taktik: Nicht einem Rebound hinterherlaufen, sondern positionieren, „wenn keiner mehr dran glaubt“ – und Gewinne auch mal mitnehmen.
Wie sich Zinsen, Dollar und Volatilität gerade entwickeln, verfolge ich laufend im Makro-Monitor.
04Minen-Sektor: Die großen Player kaufen zu
Während der Goldpreis wackelt, zeigen die Nachrichten aus dem Minensektor ein anderes Bild:
- Gold Fields → Northern Star: Der südafrikanische Goldkonzern hat für Australiens größten Goldproduzenten rund 27 Mrd. US-Dollar geboten. Northern Star lehnte als „opportunistisch“ ab – man hält sich für deutlich mehr wert.
- Troilus (Québec): Für das Gold-Kupfer-Projekt gibt es eine Kreditzusage über 850 Mio. US-Dollar. Laut Willhöft ist auch die deutsche KfW im Bankenkonsortium – Deutschland finanziert also Rohstoffprojekte im Ausland mit.
- Strategic Minerals (UK): Das Wolfram-Projekt erhielt laut Video rund 9,2 Mio. US-Dollar vom US-Kriegsministerium (ehemals Verteidigungsministerium).
- Kupfer: Der Kupferpreis notiert laut Video um 6,60 US-Dollar je Pfund nahe am Allzeithoch. KI, Robotik und Elektrifizierung brauchen neue Minen.
05Meine Einordnung
- Der Rückzug aus dem Hebelhandel ist gut belegt und wird von der SGE selbst getrieben.
- Physisches Metall in China ist weiter knapp und teurer als im Westen.
- Große Übernahmeangebote und staatliche Finanzierungen zeigen: Profis setzen auf Rohstoffe.
- „Papiergold-Stopp“ gilt für Privatanleger in China – nicht für die Terminmärkte in London oder New York.
- Der Abbau von Hebelpositionen kann kurzfristig selbst Verkaufsdruck erzeugen.
- Hohe Realzinsen bleiben der größte Gegenwind für Gold.
06Was heißt das für dich als Anleger?
- Wo liegt dein Gold? Prüfe, ob du echtes Metall, einen hinterlegten ETC oder nur eine Preiswette besitzt.
- Hebel meiden: Gerade in Phasen mit 3 %-Tagesbewegungen werden gehebelte Positionen schnell zwangsliquidiert.
- Gestaffelt kaufen: Nachkäufe auf mehrere Tranchen verteilen statt alles auf einmal.
- Physisch vs. Minen trennen: Minenaktien schwanken ein Vielfaches stärker als das Metall.
- Steuervorteil nutzen: Physisches Gold ist in Deutschland nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei (§ 23 EStG).
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07Häufige Fragen zum Papiergold-Stopp
Was ist Papiergold?
Papiergold sind Gold-Investments ohne physisches Metall in deinem Besitz – etwa Futures, CFDs, Zertifikate oder Kontrakte wie Au(T+D). Du hältst einen Anspruch oder eine Preiswette, keinen Barren.
Verbietet China den Goldhandel?
Nein. Chinesische Banken beenden den gehebelten Handel mit SGE-Kontrakten für Privatanleger. Physisches Gold und ungehebelte Sparpläne bleiben möglich und werden sogar gefördert.
Steigt der Goldpreis dadurch?
Kurzfristig ist das offen, weil der Abbau von Hebelpositionen Verkäufe auslösen kann. Langfristig kann eine Verlagerung hin zu physischer Nachfrage den Preis stützen. Eine sichere Prognose gibt es nicht.
Betrifft das deutsche Anleger?
Direkt nicht – die Maßnahmen gelten für Bankkunden in China. Indirekt wirkt sich China als größter Goldmarkt aber auf den Weltmarktpreis aus.
08Mein Fazit
Der Gold-Crash vom 28. September hat die Schlagzeilen bestimmt, die wichtigere Nachricht kommt aber aus Shanghai: China drängt seine Privatanleger systematisch aus dem gehebelten Papiergold und hin zu echtem Metall. Zusammen mit Milliarden-Übernahmen und staatlichen Rohstoff-Finanzierungen bestätigt das für mich das langfristige Bild für Edelmetalle. Kurzfristig bleibt es wackelig – deshalb gilt: Plan statt Panik, physisch vor Hebel, und Minenaktien nur mit Maß.
Passend dazu auf diesem Blog: mein Edelmetall-Depot, die Makro-Lage im Makro-Monitor und der Beitrag Gold-Crash: Ende der Rallye oder Kaufchance?
- YouTube: „China macht Ernst! Endgültiger Papiergold stopp kommt?!“ – axinocapital / Jan Willhöft, 29.09.2026
- South China Morning Post: „Shanghai Gold Exchange pushes more Chinese banks to end retail leverage trading“
- FXStreet: „Big Chinese banks ending retail leveraged gold and silver futures trading“, 28.09.2026
- Bloomberg / CNBC: Northern Star lehnt 27-Mrd.-Dollar-Angebot von Gold Fields ab, 27./28.09.2026
- GlobeNewswire: Troilus erhält Kreditzusage über 850 Mio. US-Dollar, 28.09.2026