Thorsten Wittmann & Christoph Heuermann: Plan B im Ausland – oder doch Heimat Deutschland?
Wer sich im deutschsprachigen Netz mit Auswandern, Offshore-Konten oder „Steuern legal senken“ beschäftigt, landet früher oder später bei zwei Namen: Thorsten Wittmann und Christoph Heuermann („Staatenlos“). Beide haben große Communities aufgebaut, beide verkaufen die Idee von mehr Freiheit. Was steckt dahinter, worauf müssen Sie achten – und warum ist Auswandern für die meisten deutschen Staatsbürger am Ende keine echte Lösung?
1.Worum geht es bei diesen Communities?
Thorsten Wittmann
Schwerpunkt: Vermögensschutz, Finanzbildung, „persönlicher Plan B“.
Themen: Zweitwohnsitz und Zweitpass, legale Auslandskonten, passives Einkommen über Immobilien und Investments, Schutz vor Inflation und Währungsrisiken.
Formate: kostenlose Online-Trainings, Coachings, VIP-Club-Mitgliedschaft, Investorenreisen z. B. nach Panama, Brasilien oder Paraguay, Konferenzen.
Selbstverständnis: keine Vermögensverwaltung, sondern Bildung – Mitglieder sollen „ihr eigener bester Berater“ werden.
Christoph Heuermann – Staatenlos
Schwerpunkt: Freiheit vom Staat nach der Flaggentheorie – Pass, Wohnsitz, Firma, Bank und Vermögen in verschiedenen Ländern verteilen.
Themen: Auslandsfirmen (z. B. US-LLC, Dubai, Zypern, Georgien), Offshore-Banking, Residenzen in Paraguay, Panama, Mexiko u. a., Perpetual Traveler, Staatsbürgerschaften.
Formate: Einzelberatung, Lexika und Videokurse, das Buch „Staatenlos“, Mastermind-Gruppe, Auswandererkonferenz DEXIT, Workations auf dem Katamaran „SY Staatenlos“.
Weltbild: offen libertär bis anarchokapitalistisch, Österreichische Schule.
Gemeinsam ist beiden: Sie greifen ein Gefühl auf, das viele Menschen in Deutschland teilen – hohe Abgaben, Bürokratie, Sorge um Rente und Ersparnisse. Die Antwort der Communities lautet: Internationalisieren. Nicht alles auf eine Karte, nicht alles auf ein Land setzen.
Der Unterschied liegt im Ton: Wittmann spricht eher den vermögenden Unternehmer und Anleger an, der sich absichern will. Heuermann richtet sich stärker an Menschen, die grundsätzlich weniger Staat in ihrem Leben wollen – bis hin zum Leben ohne festen Wohnsitz.
2.Was an den Communities wertvoll sein kann
- Horizonterweiterung: Viele Anleger haben nie darüber nachgedacht, dass Bankkonto, Vermögen und Wohnsitz nicht zwingend im selben Land liegen müssen. Das Nachdenken über Klumpenrisiken ist sinnvoll.
- Netzwerk: Wer ernsthaft ins Ausland will, profitiert vom Erfahrungsaustausch mit Menschen, die den Schritt schon gegangen sind – inklusive der Fehler.
- Praxiswissen: Kontoeröffnung, Visa-Prozesse, Firmengründung – Dinge, die auf Behördenseiten oft kaum verständlich erklärt sind.
- Motivation: Sich überhaupt mit den eigenen Finanzen und der eigenen Absicherung zu beschäftigen, ist schon ein Gewinn.
3.Was Sie unbedingt beachten müssen
Geschäftsmodell verstehen
Beide Communities sind Unternehmen. Kostenlose Inhalte führen zu Kursen, Mitgliedschaften, Reisen und Beratungen, die teils deutlich Geld kosten. Das ist legitim – aber prüfen Sie vor jedem Kauf: Was bekomme ich konkret, was kostet es insgesamt, und brauche ich das wirklich? Bei Investment-Angeboten, die in solchen Netzwerken empfohlen werden, gilt besonders: Provisionen und Interessenkonflikte offenlegen lassen.
Das deutsche Steuerrecht zieht nicht einfach mit aus
| Stolperstein | Worum es geht |
|---|---|
| Wohnsitz (§ 8 AO) | Wer in Deutschland eine Wohnung behält, die er jederzeit nutzen kann, bleibt in der Regel unbeschränkt steuerpflichtig – egal wie viele Tage er im Ausland ist. Die „183-Tage-Regel“ ist oft ein Mythos. |
| Wegzugsbesteuerung (§ 6 AStG) | Wer mindestens 1 % an einer Kapitalgesellschaft hält (z. B. eigene GmbH), versteuert beim Wegzug die stillen Reserven, als hätte er verkauft – ohne Geld zu erhalten. Seit 2025 können auch große Fondsbestände betroffen sein. |
| Erweiterte beschränkte Steuerpflicht (§ 2 AStG) | Wer in ein Niedrigsteuerland zieht und wesentliche Interessen in Deutschland behält, kann bis zu zehn Jahre weiter in Deutschland steuerpflichtig sein. |
| Hinzurechnungsbesteuerung | Gewinne aus „passiven“ Auslandsfirmen in Niedrigsteuerländern werden deutschen Gesellschaftern zugerechnet, solange sie in Deutschland steuerpflichtig sind. |
| Automatischer Informationsaustausch (CRS) | Auslandskonten sind für das Finanzamt nicht unsichtbar. Über 100 Staaten melden Kontodaten automatisch an das Wohnsitzland. |
Soziale Absicherung und Alltag
- Krankenversicherung: Die Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung kann nach Jahren im Ausland schwierig werden – besonders ab 55.
- Rente: Beitragslücken in der Rentenversicherung lassen sich später kaum schließen. Nicht jedes Land hat ein Sozialversicherungsabkommen mit Deutschland.
- Perpetual Traveler: Ohne steuerlichen Wohnsitz irgendwo verweigern Banken und Broker zunehmend Konten. „Nirgends steuerpflichtig“ bedeutet oft auch „nirgends richtig zu Hause“.
- Rechtssicherheit: Paraguay, Panama oder Georgien sind nicht Deutschland. Eigentumsschutz, Gerichte, Korruption und politische Stabilität sehen dort anders aus.
4.Warum Auswandern als deutscher Staatsbürger keine Lösung ist
Die Communities rechnen viel mit Steuersätzen. Was sich nicht in Prozent ausdrücken lässt, fällt dabei oft unter den Tisch: Zugehörigkeit.
Im Ausland ist man Ausländer. In Deutschland ist man zu Hause.
Man bleibt fremd
Egal ob in Dubai, Asunción oder Limassol: Wer als Deutscher dort lebt, bleibt Gast. Man spricht die Sprache selten so, dass man Humor, Zwischentöne und Behördenbriefe wirklich versteht. Man hat kein Wahlrecht, oft nur eine Aufenthaltserlaubnis auf Widerruf, und ist den politischen Launen eines Landes ausgeliefert, auf das man keinen Einfluss hat. Viele Auswanderer leben am Ende in einer deutschsprachigen Blase – sie sind weg aus Deutschland, aber nie richtig angekommen.
Sprache und Kultur sind Kapital
In Deutschland versteht man jedes Gespräch beim Bäcker, jeden Vertrag, jedes Gerichtsurteil. Man kennt die ungeschriebenen Regeln, die Feiertage, das Essen, die Witze. Das ist ein Vermögenswert, der in keiner Depotübersicht auftaucht – und den man beim Auswandern still abschreibt.
Familie, Freunde, Wurzeln
Eltern werden älter, Kinder wachsen auf, Freundschaften brauchen Nähe. Ein Videoanruf ersetzt keinen Sonntagskaffee. Viele Rückkehrer nennen genau das als Grund: Nicht die Steuern haben sie zurückgeholt, sondern die Menschen.
Die Probleme nimmt man mit
Unzufriedenheit mit Politik, Bürokratie oder Steuern ist verständlich. Aber auch andere Länder haben Bürokratie, Inflation, Kriminalität und Regierungen, die die Regeln ändern. Paraguay, Dubai oder Zypern von heute sind nicht zwingend die von in zehn Jahren. Wer flieht, tauscht bekannte Probleme gegen unbekannte – ohne Stimme, um sie zu ändern.
Die bessere Alternative: in Deutschland klug handeln
Viel von dem, was die Communities unter „Plan B“ verstehen, lässt sich auch von zu Hause aus umsetzen:
- Vermögen streuen: weltweit investieren über ETFs und Einzelaktien, Gold und Sachwerte beimischen.
- Steuern legal nutzen: Sparerpauschbetrag, Verlustverrechnung, Altersvorsorge-Förderung, Immobilien mit Zehn-Jahres-Frist, Werbungskosten.
- Liquidität sichern: Notgroschen, Bargeldreserve und eventuell ein zweites Konto bei einer anderen Bank.
- Sich einbringen: Wer Deutschland verbessern will, kann wählen, sich engagieren und seine Stimme nutzen – als Bürger, nicht als Zuschauer aus der Ferne.
Ehrlicherweise: Für manche Menschen ist ein Umzug ins Ausland richtig – aus Liebe, für einen Job oder weil sie dort wirklich ankommen wollen. Wer aber nur wegen Steuern oder aus Frust geht, zahlt oft einen Preis, den keine Steuerersparnis ausgleicht.
5.Fazit
Thorsten Wittmann und Christoph Heuermann haben Communities aufgebaut, die viele Menschen zum Nachdenken über ihre Absicherung bringen – das ist ein Verdienst. Wer dort mitmacht, sollte aber das Geschäftsmodell kennen, Versprechen kritisch prüfen und das deutsche Außensteuerrecht ernst nehmen.
Vor allem aber sollte man sich eine Frage ehrlich beantworten: Will ich woanders leben – oder will ich nur weniger zahlen? Ein Plan B für das Vermögen ist sinnvoll. Ein Plan B für die eigene Heimat ist es selten. Deutschland ist nicht perfekt, aber es ist unser Land, unsere Sprache und unsere Kultur. Hier ist man kein Ausländer.
Quellen:
- Gewinnermagazin: Thorsten Wittmann – Starke Community für erprobte Finanzstrategien
- thorstenwittmann.com – Events
- staatenlos.ch – Christoph Heuermann
- staatenlos.ch – Startseite
- § 8 AO, §§ 2, 6, 7–14 AStG (gesetze-im-internet.de)