Mitglied bei der Volksbank: Warum das Regionalprinzip zählt – und was Fusionen bedrohen
„Bist du Kunde – oder Mitglied?“ Diese Frage klingt nach Wortklauberei, trifft aber den Kern des Genossenschaftsgedankens. Wer bei einer Volksbank Mitglied wird, ist nicht nur Kunde, sondern Miteigentümer seiner Bank. Was das konkret bringt, warum das Regionalprinzip ein echter Wert ist – und warum die zunehmenden Fusionen zu immer größeren Regionalbanken diesen Wert gefährden können, schildere ich hier aus eigener Erfahrung.
1.Was Mitgliedschaft wirklich bedeutet
Eine Volksbank ist eine eingetragene Genossenschaft (eG). Wer Mitglied wird, zeichnet Geschäftsanteile und wird damit Teil-Eigentümer. Daraus folgt einiges, das eine normale Kundenbeziehung nicht bietet:
- Mitbestimmung: Es gilt das demokratische Prinzip „ein Mitglied, eine Stimme“ – unabhängig davon, wie viele Anteile jemand hält. Nicht das Kapital entscheidet, sondern der Kopf.
- Dividende: Läuft die Bank gut, kann sie eine jährliche Dividende auf die Geschäftsanteile ausschütten.
- Förderauftrag statt Gewinnmaximierung: Zweck der Genossenschaft ist laut Gesetz die Förderung der Mitglieder – nicht die Maximierung des Gewinns für externe Aktionäre.
- Vertreterversammlung: In größeren Genossenschaften wählen die Mitglieder Vertreter, die ihre Interessen in der Versammlung bündeln. Genau diese Rolle nehme ich für die Bodenseebank wahr.
2.Die Vorteile des Regionalprinzips
Das Regionalprinzip bedeutet: Die Bank ist in ihrem Gebiet verwurzelt, trifft Entscheidungen vor Ort und wirtschaftet für die Region. Für mich sind das die konkreten Pluspunkte:
- Nähe & feste Ansprechpartner: Bei Immobilienkrediten zählt, dass jemand den lokalen Markt kennt und ansprechbar ist – nicht ein anonymes Callcenter.
- Entscheidungen bleiben in der Region: Kreditentscheidungen werden vor Ort getroffen, nicht in einer fernen Zentrale nach reinem Schema.
- Wertschöpfung bleibt vor Ort: Gewinne fließen nicht an internationale Aktionäre ab, sondern stärken die Region – oft auch über Sponsoring von Vereinen und lokalen Projekten.
- Stabilität: Das bodenständige, einlagenbasierte Geschäftsmodell hat sich in Krisen als vergleichsweise robust erwiesen.
3.Ein gelungenes Beispiel: die Bodenseebank
Dass Größe und regionale Identität kein Widerspruch sein müssen, zeigt aus meiner Sicht mein eigenes Haus: Die Bodenseebank in Lindau gehört zur VR Südbank eG, die mit ihren Zweigniederlassungen Raiffeisenbank Westallgäu und Bayerische Bodenseebank ein durchdachtes Regionalmodell betreibt. Der Clou: Die einzelnen Marken und ihre lokale Verwurzelung bleiben erhalten, während im Hintergrund die Effizienz einer größeren Einheit genutzt wird. So bekommt man beides – regionale Nähe und Leistungsfähigkeit.
Regionalbank am Bodensee
Mehr zur Bodenseebank, ihren Standorten und dem genossenschaftlichen Modell gibt es direkt auf der Webseite:
www.bodenseebank.de →4.Die Schattenseiten: der Fusionssog
So sehr ich das Modell schätze – man muss ehrlich sein: Der Trend geht seit Jahrzehnten zu immer weniger, immer größeren Instituten. Gab es 1970 noch über 7.000 selbständige Genossenschaftsbanken, sind es heute nur noch rund 645; jedes Jahr verschwinden etwa 20 bis 40 durch Fusionen. Das hat eine Kehrseite, die man nicht wegreden sollte:
- Distanz wächst: Je größer die Einheit, desto weiter rückt die Entscheidung vom einzelnen Mitglied weg. Aus „meiner Bank im Ort“ wird schnell ein Regionalkonzern.
- Weniger direkte Mitbestimmung: Ab einer gewissen Größe ersetzt die Vertreterversammlung die Generalversammlung aller Mitglieder. Das ist praktisch – aber ein Stück direkter Demokratie geht dabei verloren, wenn Vertreter nicht aktiv eingebunden werden.
- Filialschließungen: Fusionen werden gern mit „Synergien“ begründet – im Alltag heißt das oft geschlossene Filialen und Geldautomaten, gerade auf dem Land.
- Verwässertes Regionalprinzip: Wenn das „Regionale“ nur noch im Namen steht, die Entscheidungen aber zentralisiert und standardisiert sind, bleibt vom ursprünglichen Gedanken wenig übrig.
- Anonymisierung: Größe bringt Prozesse, Callcenter und Schema-F – genau das, wovon sich Genossenschaftsbanken eigentlich abheben wollten.
5.Woran man ein gutes Regionalmodell erkennt
Nicht jede Fusion ist schlecht – entscheidend ist das Wie. Für mich sind das die Kriterien, an denen sich zeigt, ob eine gewachsene Genossenschaft ihre Seele behält:
- Bleiben lokale Marken und Ansprechpartner erhalten (wie bei der Bodenseebank über die Zweigniederlassungen)?
- Werden Kreditentscheidungen weiterhin vor Ort getroffen?
- Wird das Filialnetz gepflegt statt nur ausgedünnt?
- Nimmt die Bank ihre Vertreter und Mitglieder ernst – mit echter Information und Mitsprache, nicht nur formal?
- Fließt weiterhin etwas in die Region zurück (Vereine, Projekte, Stiftungen)?
6.Mein Fazit
Die Mitgliedschaft bei einer Volksbank ist mehr als ein Girokonto: Sie ist ein Stück Mitverantwortung für eine Bank, die der Region dient statt anonymen Aktionären. Das Regionalprinzip ist ein echter Wert – Nähe, lokale Entscheidungen, Gewinne, die vor Ort bleiben. Zugleich darf man die Schattenseiten des Fusionssogs nicht ignorieren: Mit jeder Größe wächst die Gefahr, genau das zu verlieren, was Genossenschaftsbanken besonders macht. Dass es auch anders geht, zeigt für mich die Bodenseebank mit der VR Südbank eG – ein Modell, das Größe nutzt, ohne die regionale Identität aufzugeben. Ob eine Bank ihre Seele behält, entscheidet am Ende auch, wie aktiv ihre Mitglieder sind. Deshalb: Nutzt eure Stimme.
- Persönliche Erfahrung des Autors als Mitglied und Vertreter der Bodenseebank / VR Südbank eG; www.bodenseebank.de
- BVR / Statista / Handelsblatt / DAS INVESTMENT: Zahl der Genossenschaftsbanken (über 7.000 im Jahr 1970, ~645 Ende 2025) und jährliche Fusionszahlen (~20–40)
- Genossenschaftsgesetz (GenG): Grundprinzipien eG, Förderauftrag, „ein Mitglied, eine Stimme“, Vertreterversammlung