China stoppt Papiergold, USA sitzen auf 42-Dollar-Gold: Hellmeyers Thesen im Check
Chinas Staatsbanken drehen dem spekulativen Papiergold-Handel den Hahn zu, Shanghai stockt seine Goldlager auf 2.000 Tonnen auf – und in Washington steht die Frage im Raum, ob die USA ihre rund 8.000 Tonnen Gold endlich zum Marktpreis statt zu 42,22 Dollar je Unze bilanzieren. Im Interview beim Kanal „Finanzexperten im Interview“ (biallo) verbindet Volkswirt Folker Hellmeyer diese Puzzleteile zu einem großen Bild: Der physische Goldmarkt wandert nach Osten, die BRICS arbeiten an einer rohstoffgedeckten Abrechnungswährung, und Privatanlegern rät er zu einem „persönlichen Goldstandard“. Die wichtigsten Aussagen – mit Timestamps zum Nachschauen – und was sie für dein Depot bedeuten.
Video: „China stoppt Handel mit Gold – USA kurz vor einer Neubewertung ihrer Goldreserven?“ – Folker Hellmeyer bei Finanzexperten im Interview (biallo).
1.Chinas Strategie: Schluss mit Papiergold
Große chinesische Staatsbanken wie die ICBC haben den Privatkundenhandel mit Papiergold und Hebelprodukten eingestellt (ab Min. 01:02). Für Hellmeyer ist das kein Anlegerschutz-Detail, sondern Strategie: China isoliere sich bewusst von den westlichen Papiermärkten Comex und London, die aus seiner Sicht von wenigen Großbanken und politischen Interessen geprägt werden (ab Min. 02:43). Stattdessen entsteht mit Shanghai und Hongkong eine physisch basierte Alternative – inklusive massiv ausgebauter Lagerkapazitäten von rund 2.000 Tonnen (ab Min. 06:28).
Dazu passt das Muster bei den Käufen: China kaufe strategisch, kontinuierlich und gerade in Preisrücksetzer hinein physisches Gold (ab Min. 15:48). Die offiziell gemeldeten Reserven hält Hellmeyer für deutlich zu niedrig angesetzt (ab Min. 17:31).
2.BRICS: Keine Einheitswährung, sondern ein rohstoffgedeckter Korb
Der Globale Süden gewinnt wirtschaftlich an Gewicht und will sich von Dollar und westlichen Finanzstrukturen emanzipieren (ab Min. 10:04). Eine BRICS-Einheitswährung nach Euro-Vorbild schließt Hellmeyer wegen der heterogenen Systeme aus (ab Min. 07:32). Er erwartet stattdessen eine Abrechnungs-Korbwährung nach ECU-Vorbild, unterlegt mit Edelmetallen und Rohstoffen (ab Min. 08:14) – mit dem Ziel, den Dollar im bilateralen Handel abzulösen. Möglicher Zeithorizont: Ende 2026 bis erstes Halbjahr 2027 (ab Min. 08:54).
3.Der 42-Dollar-Trick: Neubewertung der US-Goldreserven
Die USA bilanzieren ihre rund 8.000 Tonnen Gold bis heute zum historischen Buchwert von 42,22 Dollar je Unze (ab Min. 25:27). Eine Umstellung auf Marktpreise würde einen gewaltigen Buchgewinn freisetzen, der bei der Schuldenreduzierung helfen könnte (ab Min. 25:55).
4.Standort Deutschland: Hellmeyers unbequeme Diagnose
Gemessen an Kaufkraftparität liege China längst vor den USA – und Deutschland sei auf Platz 6 abgerutscht (ab Min. 11:54). Die angekündigten Reformen hält er für unzureichend; nötig seien strukturelle Einschnitte von 7–10 % der Wirtschaftsleistung (ab Min. 40:47). Als Hauptbremsen nennt er Energiepreise (ab Min. 39:17), Bürokratie, Steuerlast sowie Regulierungen wie CO2-Bepreisung und Lieferkettengesetz (ab Min. 42:08).
5.Anlagestrategie: Sachwerte statt Staatsanleihen
- Persönlicher Goldstandard: Physisches Gold als private Absicherung gegen systemische Risiken und Staatsverschuldung (ab Min. 13:28); den Edelmetall-Trend sieht Hellmeyer weiter aufwärtsgerichtet (ab Min. 27:32).
- Qualitätsaktien mit Preissetzungsmacht: Etablierte Unternehmen mit Burggraben (er nennt Siemens oder BASF), die Preiserhöhungen weitergeben können – als Schutz vor realer Inflation (ab Min. 32:49).
- Skepsis bei Anleihen: Staatsanleihen des Westens sieht er wegen Schuldenständen und unberechenbarer Haushaltspolitik kritisch (ab Min. 34:47).
6.Was heißt das für dein Geld?
- Gold-Anleger: Wenn die Preisbildung tatsächlich Richtung physischer Märkte (Shanghai) wandert, verlieren Papiergold-getriebene Rücksetzer an Schrecken – sie wurden zuletzt systematisch von östlichen Käufern aufgefangen. Physische Bestände und physisch besicherte Produkte bleiben erste Wahl.
- Steuer-Bonus: Physisches Gold (Barren, Münzen, auch Xetra-Gold & Euwax Gold II mit Lieferanspruch) ist in Deutschland nach 12 Monaten Haltefrist steuerfrei – ein struktureller Vorteil gegenüber Aktien und Anleihen.
- Dollar-Exposure prüfen: Kommt die BRICS-Korbwährung 2027 auch nur in Ansätzen, steigt der strukturelle Abwertungsdruck auf den Dollar. US-lastige Depots sollten das Währungsrisiko bewusst steuern.
- Realistisch bleiben: Hellmeyer ist erklärter Gold-Bulle; Timestamps anschauen und Gegenpositionen lesen lohnt sich – etwa unsere Einordnung „Gold-Crash, dann 8.500 Dollar?“ und die These der Rohstoffdekade.
Fazit
Hellmeyers Kernbotschaft ist weniger eine Goldpreis-Prognose als eine Systemdiagnose: Der Osten baut sich eine physische, rohstoffgedeckte Finanzinfrastruktur auf, während der Westen seine Goldreserven zu Buchwerten von 1973 bilanziert und sich auf immer höhere Schulden stützt. Ob die BRICS-Korbwährung wirklich 2027 kommt und ob Washington die Neubewertung wagt, ist offen. Aber die Richtung – mehr physisches Gold, weniger Papierversprechen, schleichende De-Dollarisierung – zeichnet sich seit Jahren ab. Ein „persönlicher Goldstandard“ als Beimischung ist dafür die pragmatische private Antwort; Klumpenrisiken und Endzeit-Szenarien braucht es dafür nicht.
Quellen:
- Finanzexperten im Interview (biallo) – „China stoppt Handel mit Gold – USA kurz vor einer Neubewertung ihrer Goldreserven?“ mit Folker Hellmeyer (Video, Timestamps im Text)
- manuel360finanz.de – Chinas Papiergold-Verbot: Folgen für Comex & LBMA
- manuel360finanz.de – China kauft Gold im Dip
- manuel360finanz.de – Gold-Crash, dann 8.500 Dollar?