Gold: Erst der Crash – dann 8.500 Dollar? Zwei Szenarien für die Edelmetall-Rally
Unter Goldanalysten herrscht selten so viel Uneinigkeit wie derzeit: Steht den Edelmetallen eine Sommer- und Jahresendrally unmittelbar bevor – oder droht vorher noch ein finaler, heftiger Rücksetzer? Jan Wilhöft von axinocapital hat in einem aktuellen Video beide Lager gegenübergestellt. Hier die Kernthesen im Überblick – inklusive des makroökonomischen Unterbaus, der langfristig für beide Seiten gleich aussieht.
1.Szenario 1: Der finale „Washout“ (Sprott-Lager)
Die Analysten rund um Sprott Money halten technisch einen kurzen, brutalen Rücksetzer für denkbar: Gold von aktuell rund 4.000 $ auf etwa 3.600 $ – womöglich nur für Stunden oder wenige Tage. Ziel eines solchen Moves wäre, extrem gehebelte Spekulanten aus dem Markt zu „waschen“, bevor die nächste große Aufwärtswelle startet. Das langfristige Kursziel dieses Lagers: bis zu 8.500 $.
Für Silber gilt dieselbe Logik: Ein kurzer Rutsch von der aktuellen Unterstützungszone bei 55–60 $ bis auf 40 $ wäre technisch möglich – als Sprungbrett für die nächste Aufwärtswelle.
2.Szenario 2: Der Boden ist längst drin (Florian Grummes)
Die bullischere Sichtweise geht davon aus, dass die aktuellen Niveaus bereits die Talsohle markieren. Rückenwind liefert die ab Juli einsetzende positive Saisonalität bei Edelmetallen: Gold könnte demnach zügig zurück in Richtung seiner 50- bzw. 200-Tage-Linie bei 4.450–4.500 $ laufen. Für Silber wären in diesem Szenario Ziele um 70 $ denkbar.
| Szenario 1: Washout | Szenario 2: Boden gefunden | |
|---|---|---|
| Vertreter | Sprott-Money-Analysten | Florian Grummes |
| Gold kurzfristig | Rücksetzer auf ca. 3.600 $ | Anstieg Richtung 4.450–4.500 $ |
| Silber kurzfristig | Rutsch bis ca. 40 $ | Ziele um 70 $ |
| Gold langfristig | Aufwärtstrend intakt – Kursziel bis zu 8.500 $ | |
3.Das große Bild: Zentralbanken kaufen, Ausland meidet US-Anleihen
Langfristig bleibt das Umfeld für harte Assets laut dem Video intakt – aus zwei Gründen:
- Zentralbankkäufe: Nach einer kurzen Pause kaufen die Notenbanken weltweit wieder massiv Gold zu – allen voran Polen, Usbekistan und China. Das Motiv: schrittweise Abkopplung vom US-Dollar-System.
- US-Schuldenkrise: Ausländische Käufer halten immer weniger US-Staatsanleihen – der Anteil ist von ehemals knapp 35 % auf nur noch rund 12,5 % der ausstehenden Treasuries gefallen. Die Finanzierung verlagert sich nach innen, was die langfristige Geldentwertung und Inflation weiter anheizen dürfte.
4.Risikofaktor: Die fragile KI- und Halbleiter-Rally
Als größtes kurzfristiges Risiko – auch für Edelmetalle – nennt das Video den heißgelaufenen KI- und Halbleitersektor, dessen extreme Volatilität sich beispielhaft am koreanischen Kospi-Index zeigt. Der unangenehme Mechanismus: Korrigiert die „KI-Blase“ (schon eine normale Korrektur von 10–30 % reicht), könnten gehebelte Spekulanten gezwungen sein, liquide Assets wie Gold und Silber zu verkaufen, um Verluste an anderer Stelle auszugleichen. Genau so entstehen die kurzen, scharfen Rücksetzer aus Szenario 1 – ohne dass sich am Goldpreis-Fundament irgendetwas ändert.
5.Zwei Einzelwerte am Rande: First Mining Gold & Aguia Resources
Am Ende des Videos werden – unter ausdrücklichem Hinweis auf bestehende Interessenkonflikte (Eigenbestand/Marketing-Mandate) – zwei Unternehmen besprochen:
- First Mining Gold: Trotz schwachem Goldpreis ein Rebound von 42 auf über 72 Cent, ausgelöst durch eine wichtige Lizenz für das Springpole-Projekt in Kanada. Die Botschaft: Entwickler können bei fundamentalen Fortschritten unabhängig vom Gesamtmarkt steigen.
- Aguia Resources: Startet in Brasilien die Düngemittelproduktion – die brasilianische Regierung will Düngemittelimporte bis 2050 massiv senken, wovon heimische Produzenten profitieren könnten. Dass der Kurs bislang kaum reagiert, deutet der Sprecher als Zeichen eines vorsichtigen Markts, der News nicht mehr blind kauft.
Fazit: Angstphasen sind Analysephasen
Ob der Markt erst noch einmal durchgespült wird oder der Boden schon steht – das langfristige Bild aus Zentralbankkäufen, De-Dollarisierung und US-Schuldenproblematik spricht laut dem Video weiter für Edelmetalle. Das Schlussplädoyer ist entsprechend konträr gedacht: Die aktuelle Phase aus Angst und Vorsicht nicht als Bedrohung, sondern als Gelegenheit für eigene Analysen und strategische Einstiege begreifen – mit ausreichend Cash in der Hinterhand für den Fall, dass Szenario 1 doch noch kommt.
Das komplette Video
Video: „Gold: Erst Crash, dann 8.500 Dollar?“ – axinocapital (Jan Wilhöft) auf YouTube
Wer Rücksetzer wie in Szenario 1 zum physischen Nachkauf nutzen will, braucht einen Händler mit fairen Preisen und schneller Abwicklung. Ich selbst tracke meine Edelmetalle mit der App von Kettner Edelmetalle. Bei einem Kauf über meinen Link erhalte ich eine kleine Provision – für dich ändert sich am Preis nichts.
Zu Kettner Edelmetalle →Quelle: