Bierflation: Warum die Wiesn-Maß die Inflation schlägt – und was das über Geldanlage verrät
Pünktlich zur Wiesn kursiert eine Grafik des Vermögensverwalters Assenagon mit einem augenzwinkernden Vergleich: Die Wiesn-Maß sei seit 2019 um +35,2 % teurer geworden – schneller als die offizielle Inflation (+25,5 %). Und der hauseigene Multi-Asset-Fonds habe beide geschlagen (+58,9 %). Ein netter Aufhänger – aber was steckt dahinter? Der „Bierflation“-Effekt ist real und lehrreich; der Fondsvergleich ist clever gemachtes Marketing. Wir trennen das Interessante vom Werblichen.
*Kumuliert 30.08.2019–31.08.2026. Werte laut Assenagon-Werbegrafik; Quellen dort: Statistisches Bundesamt (Inflation), Landeshauptstadt München (Wiesn-Maß), Assenagon (Fonds).
1.„Bierflation“: Warum das Bier schneller steigt
Der wirklich interessante Teil ist der Bierpreis als Alltags-Inflationsmesser. Die Maß kostete 2019 rund 12 € und liegt 2026 im Schnitt bei etwa 15,60 € – ein Plus von grob 30 bis 35 %. Damit ist die Wiesn-Maß spürbar stärker gestiegen als der amtliche Verbraucherpreisindex.
2.Der Fonds – und die Kleingedruckte Wahrheit
Der beworbene Fonds (Assenagon Multi Asset Conservative) ist ein defensiv ausgerichteter, weltweit diversifizierter Mischfonds. Die +58,9 % über sieben Jahre klingen stark – aber der Weg dahin war nicht geradlinig. Die in der Grafik genannten Jahresrenditen zeigen die Schwankungen:
| Jahr | Rendite (R) |
|---|---|
| 2018 | −5,24 % |
| 2019 | +10,50 % |
| 2020 | +12,95 % |
| 2021 | +6,71 % |
| 2022 | −8,81 % |
| 2023 | +9,43 % |
| 2024 | +10,12 % |
| 2025 | +11,44 % |
3.Was der Vergleich taugt – und was nicht
4.Was Anleger wirklich mitnehmen sollten
- Real denken: Nicht die Nominalrendite zählt, sondern was nach Inflation übrig bleibt. +25,5 % Inflation in sieben Jahren sind die Hürde, die man schlagen muss.
- Streuen: Weltweite Diversifikation über Anlageklassen senkt das Risiko – das gilt für Fonds wie für ein selbst gebautes ETF-Portfolio.
- Kosten prüfen: Bei aktiven Mischfonds die laufenden Kosten (TER) und die Wertentwicklung nach Kosten mit einer günstigen Benchmark vergleichen.
- Werbung als Werbung lesen: Eine hübsche Grafik ersetzt keine Prospekt-Lektüre. Basisinformationsblatt (KID) und verschiedene Zeiträume anschauen.
5.Fazit
Die Wiesn-Maß als Inflations-Barometer ist ein charmanter Aufhänger mit wahrem Kern: Preise steigen, gefühlt oft schneller als die Statistik, und Bargeld verliert real. Die eigentliche Lektion ist zeitlos – Vermögen muss arbeiten, um die Kaufkraft zu halten. Ob dafür ausgerechnet der beworbene Fonds die beste Wahl ist, sagt die Anzeige naturgemäß nicht neutral. Prüfe Kosten, Zeiträume und Alternativen selbst – dann schmeckt die Rendite am Ende so gut wie die erste Maß. Prost auf reale Renditen. Mehr dazu in unseren Beiträgen zur Inflation.
- Assenagon-Werbegrafik „Multi Asset Conservative“ (kumuliert 30.08.2019–31.08.2026; Jahresrenditen; SRI 2). Quellen laut Grafik: Statistisches Bundesamt (Inflation +25,5 %), Landeshauptstadt München (Wiesn-Maß +35,2 %), Assenagon (Fonds +58,9 %)
- t-online München / wiesnkini.de: Wiesn-Maß-Preise 2026 (Ø ca. 15,60 €) und Entwicklung seit 2019 (ca. 12 €)
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Verbraucherpreisindex
⚠️ Disclaimer: Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Alle Angaben ohne Gewähr. Vergangene Performance ist kein Indikator für zukünftige Ergebnisse.