Manuel Grotz
Manuel Grotz Privatanleger · Aktionärsforum Bodensee
Bierflation: Warum die Wiesn-Maß die Inflation schlägt – und was das über Geldanlage verrät
Inflation · Geldanlage

Bierflation: Warum die Wiesn-Maß die Inflation schlägt – und was das über Geldanlage verrät

Stand: 13. September 2026 · Geldanlage · Lesezeit ca. 10 Min. · Keine Anlageberatung

Pünktlich zur Wiesn kursiert eine Grafik des Vermögensverwalters Assenagon mit einem augenzwinkernden Vergleich: Die Wiesn-Maß sei seit 2019 um +35,2 % teurer geworden – schneller als die offizielle Inflation (+25,5 %). Und der hauseigene Multi-Asset-Fonds habe beide geschlagen (+58,9 %). Ein netter Aufhänger – aber was steckt dahinter? Der „Bierflation“-Effekt ist real und lehrreich; der Fondsvergleich ist clever gemachtes Marketing. Wir trennen das Interessante vom Werblichen.

+58,9 %
Assenagon Multi Asset Conservative (R)*
+35,2 %
Wiesn-Maß (München)
+25,5 %
Inflation Deutschland

*Kumuliert 30.08.2019–31.08.2026. Werte laut Assenagon-Werbegrafik; Quellen dort: Statistisches Bundesamt (Inflation), Landeshauptstadt München (Wiesn-Maß), Assenagon (Fonds).

1.„Bierflation“: Warum das Bier schneller steigt

Der wirklich interessante Teil ist der Bierpreis als Alltags-Inflationsmesser. Die Maß kostete 2019 rund 12 € und liegt 2026 im Schnitt bei etwa 15,60 € – ein Plus von grob 30 bis 35 %. Damit ist die Wiesn-Maß spürbar stärker gestiegen als der amtliche Verbraucherpreisindex.

Warum? In der Maß stecken viele Kostentreiber gebündelt: Energie, Löhne, Rohstoffe (Malz, Hopfen), Mieten und Standgebühren. Solche „Erlebnis-“ und Gastronomiepreise reagieren oft heftiger als der breite Warenkorb – und sie sind für viele emotional greifbarer als eine abstrakte Prozentzahl. Genau deshalb ist die Wiesn-Maß ein beliebter (wenn auch unwissenschaftlicher) Indikator für gefühlte Inflation.

Merksatz Die eigentliche Lehre steckt nicht im Bier, sondern dahinter: Geld auf dem Konto verliert real an Wert, wenn die Preise steigen. Wer 2019 sein Geld einfach liegen ließ, kann sich heute spürbar weniger dafür kaufen – ob Maß oder Wocheneinkauf.

2.Der Fonds – und die Kleingedruckte Wahrheit

Der beworbene Fonds (Assenagon Multi Asset Conservative) ist ein defensiv ausgerichteter, weltweit diversifizierter Mischfonds. Die +58,9 % über sieben Jahre klingen stark – aber der Weg dahin war nicht geradlinig. Die in der Grafik genannten Jahresrenditen zeigen die Schwankungen:

JahrRendite (R)
2018−5,24 %
2019+10,50 %
2020+12,95 %
2021+6,71 %
2022−8,81 %
2023+9,43 %
2024+10,12 %
2025+11,44 %
Wichtig einzuordnen „Conservative“ heißt nicht „schwankungsfrei“: 2018 und vor allem 2022 (−8,81 %) gab es klare Verlustjahre. Der Fonds trägt die Risikokennzahl SRI 2 (eher niedrig, aber nicht null). Und: Es handelt sich um eine Werbeanzeige – frühere Wertentwicklung ist ausdrücklich keine Garantie für die Zukunft.

3.Was der Vergleich taugt – und was nicht

Was stimmt Die Kernbotschaft ist richtig und wichtig: Wer sein Vermögen vor Inflation schützen will, muss real – also nach Abzug der Teuerung – etwas verdienen. Ein breit gestreutes Portfolio hat das über diesen Zeitraum geschafft, Bargeld nicht. Diversifikation über Regionen und Anlageklassen ist ein solides Prinzip.
Wo Marketing anfängt Der Dreiervergleich mischt allerdings Äpfel mit Bier: Die Wiesn-Maß und die Inflation sind Kosten, die man nicht „verliert“; ein Fonds ist ein Investment, das auch fallen kann. Ein einzelner, selbst gewählter Startzeitpunkt und ein einzelnes Produkt ergeben zudem eine günstige Momentaufnahme – ein ehrlicher Vergleich bräuchte verschiedene Zeiträume, Kosten (TER) und einen breiten Index als Messlatte (etwa einen simplen Welt-ETF).

4.Was Anleger wirklich mitnehmen sollten

  • Real denken: Nicht die Nominalrendite zählt, sondern was nach Inflation übrig bleibt. +25,5 % Inflation in sieben Jahren sind die Hürde, die man schlagen muss.
  • Streuen: Weltweite Diversifikation über Anlageklassen senkt das Risiko – das gilt für Fonds wie für ein selbst gebautes ETF-Portfolio.
  • Kosten prüfen: Bei aktiven Mischfonds die laufenden Kosten (TER) und die Wertentwicklung nach Kosten mit einer günstigen Benchmark vergleichen.
  • Werbung als Werbung lesen: Eine hübsche Grafik ersetzt keine Prospekt-Lektüre. Basisinformationsblatt (KID) und verschiedene Zeiträume anschauen.

5.Fazit

Die Wiesn-Maß als Inflations-Barometer ist ein charmanter Aufhänger mit wahrem Kern: Preise steigen, gefühlt oft schneller als die Statistik, und Bargeld verliert real. Die eigentliche Lektion ist zeitlos – Vermögen muss arbeiten, um die Kaufkraft zu halten. Ob dafür ausgerechnet der beworbene Fonds die beste Wahl ist, sagt die Anzeige naturgemäß nicht neutral. Prüfe Kosten, Zeiträume und Alternativen selbst – dann schmeckt die Rendite am Ende so gut wie die erste Maß. Prost auf reale Renditen. Mehr dazu in unseren Beiträgen zur Inflation.

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Hinweis: Dieser Beitrag bezieht sich auf eine Werbegrafik der Assenagon und ordnet sie ein. Er ist keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung; es besteht keine geschäftliche Verbindung zum genannten Anbieter. Frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse; Kapitalverluste sind möglich. Vor einer Anlageentscheidung sind Verkaufsprospekt und Basisinformationsblatt (KID) zu lesen. Genannte Zahlen stammen aus der Grafik bzw. den dort angegebenen Quellen.
Quellen:
  • Assenagon-Werbegrafik „Multi Asset Conservative“ (kumuliert 30.08.2019–31.08.2026; Jahresrenditen; SRI 2). Quellen laut Grafik: Statistisches Bundesamt (Inflation +25,5 %), Landeshauptstadt München (Wiesn-Maß +35,2 %), Assenagon (Fonds +58,9 %)
  • t-online München / wiesnkini.de: Wiesn-Maß-Preise 2026 (Ø ca. 15,60 €) und Entwicklung seit 2019 (ca. 12 €)
  • Statistisches Bundesamt (Destatis): Verbraucherpreisindex
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⚠️ Disclaimer: Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Alle Angaben ohne Gewähr. Vergangene Performance ist kein Indikator für zukünftige Ergebnisse.

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