Manuel Grotz
Manuel Grotz Privatanleger · Aktionärsforum Bodensee
Gold & Silber im Rückwärtsgang: Warshs Jackson-Hole-Rede – und wie es weitergeht
Gold & Silber · Marktanalyse

Gold & Silber fallen – wie geht es weiter? Warshs Jackson-Hole-Rede im Fokus

Stand: 29. August 2026 · Edelmetalle · Lesezeit ca. 10 Min. · Keine Anlageberatung

Ende August erlebten Gold und Silber einen abrupten Rücksetzer: Nach der Jackson-Hole-Rede von Fed-Chef Kevin Warsh gaben die Edelmetalle deutlich nach. Analyst Jan Willhöft (Axino Capital) ordnet in seinem Video ein, was passiert ist, wie es kurzfristig weitergehen könnte – und warum er langfristig trotzdem bullish bleibt. Wir fassen die Kernpunkte zusammen und ordnen sie ein.

~ 4.600 $
Goldpreis rund um die Rede
+13 %
Gold im August (einer der stärksten Monate seit Jahren)
~ 57 %
eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September

1.Was am Freitag passiert ist

Gold und Silber fielen nach Beginn der Warsh-Rede spürbar – bei Gold in der Spitze rund 3 bis 4 % gegenüber den Tageshochs. Trotz des Rücksetzers lag Gold im August noch klar zweistellig im Plus (zwischenzeitlich bis rund 14 %). Willhöfts Kernbotschaft: Der Anstieg der letzten Wochen war zu schnell und zu steil. Er hatte bereits vor möglichen Turbulenzen rund um Jackson Hole gewarnt – ein solcher Rücksetzer sei nach einer solchen Rally nichts Ungewöhnliches.

Quelle: axinocapital (Jan Willhöft) auf YouTube. Die im Video geäußerten Einschätzungen sind die Meinung des Sprechers und stellen keine Anlageberatung dar.

2.Die charttechnische Einschätzung

Willhöft verweist auf den 21-Tage-Durchschnitt, der zuletzt bei etwa 4.400 USD lag. Kurzfristig – also in der kommenden Woche – hält er eine weitere Schwäche bis in diesen Bereich oder leicht darunter für möglich. Der Grund seien vor allem emotionale Verkäufe und das Ausscheiden kurzfristiger Trader, die erst im steilen Aufwärtstrend eingestiegen waren. Gold sei ein stark emotionsgetriebener Markt – nach einem parabolischen Anstieg folgt oft ein Abschütteln der „schwachen Hände“.

Einordnung: Ein Rücklauf zum gleitenden Durchschnitt nach einer steilen Rally ist charttechnisch normal und sagt für sich genommen nichts über die langfristige Richtung. Solche Marken sind Orientierung, keine Garantie.

3.Die Rede – und warum Willhöft sie relativiert

Warsh äußerte sich besorgt über die weiterhin hohe Inflation und betonte, die Notenbank habe „noch Arbeit vor sich“. Prompt stiegen die Markterwartungen für eine Zinserhöhung im September wieder deutlich an. Willhöft hält die Aussagen jedoch für weitgehend Rhetorik: Würde die Inflation wirklich entschlossen bekämpft, wären die Staatsausgaben und die Geldpolitik nicht derart expansiv – und die Zinsen hätten längst früher angehoben werden können.

Gegenperspektive Das ist ein legitimer, aber eben einseitiger Standpunkt. Man kann Warshs Kurs auch als ernst gemeinte Straffung lesen: Ein Fed-Chef, der Inflationsrisiken offen adressiert und eine mögliche Zinserhöhung nicht ausschließt, kann den Dollar stützen und Edelmetalle länger belasten, als es kurzfristig bullishen Anlegern lieb ist. Wer nur die „leeres-Feuer“-These hört, unterschätzt dieses Szenario.

4.Die langfristigen Argumente (bullish)

Willhöfts eigentliche These ist strukturell, nicht kurzfristig. Seine Kernpunkte:

  • Zwei Arten von Inflation: die offizielle Statistik – und die real spürbare Teuerung über steigende Rohstoffpreise (Energie, Öl, Gas, Uran, Weizen).
  • Rohstofftrend: steigende Energie- und Transportkosten treiben die Preise seit Jahren – ein anhaltender Kostendruck „von unten“.
  • Geldmenge & Schulden: Die US-Geldmenge M2 wächst weiter (allein im Juli über 100 Mrd. USD), die US-Staatsverschuldung liegt über 40 Billionen USD.
  • Vertrauensfrage: nachlassendes Vertrauen in US-Staatsanleihen – ein Thema, das inzwischen auch Mainstream-Medien wie die Financial Times aufgreifen.
  • Japan-Faktor: mögliche weitere Zinsschritte, Yen-Schwäche und eine Abkehr von ausländischen Anleihen. Fondsmanager Michael Gentile (stark in Junior-Minen investiert) hält die restriktiven Töne angesichts von Interventionen an Yen- und Bondmarkt für wenig glaubwürdig.
Kontext von uns Zur Geldmengen-These passt unser Beitrag Gold vs. M2-Geldmenge – dort zeigen wir, warum die Schere zwischen Geldmenge und Goldpreis für viele das langfristige Bull-Argument ist.

5.Der Ausblick

Kurzfristig rechnet Willhöft mit weiteren Verkaufswellen und Turbulenzen. Mittel- bis langfristig bleibt er bullish für Gold, Silber und Minenaktien und sieht in Rücksetzern eher Einstiegschancen – er plane selbst, Teile seiner Cash-Position wieder zu investieren.

Wichtig zur Einordnung: Willhöft und der zitierte Michael Gentile sind selbst stark in Edelmetalle bzw. Minenaktien investiert und werben am Ende des Videos für eigene Formate (Axino Academy, Events). Das macht die Argumente nicht falsch – man sollte eine mögliche Interessenlage aber mitdenken und nicht jede Prognose als neutrale Wahrheit lesen.

6.Fazit

Der Rücksetzer nach Jackson Hole zeigt vor allem eines: Gold ist nach einer parabolischen Rally anfällig für scharfe, emotionsgetriebene Korrekturen – ausgelöst von einem einzigen Impuls wie einer Fed-Rede. Ob Warshs Töne „leeres Feuer“ oder ernst gemeinte Straffung sind, weiß niemand sicher; die ehrliche Antwort lautet: beides ist möglich. Langfristig sprechen wachsende Geldmenge, hohe Schulden und der Rohstofftrend für Edelmetalle – kurzfristig können Zinsfantasie und ein festerer Dollar aber weiter belasten. Wer investiert, sollte Positionsgrößen, Anlagehorizont und die eigene Nervenstärke im Blick behalten – nicht die Tagesschlagzeile.

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Hinweis: Dieser Beitrag gibt Einschätzungen aus dem verlinkten Video wieder und ordnet sie redaktionell ein. Er stellt keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Edelmetalle und Minenaktien sind schwankungsanfällig; Kursverluste bis hin zum Totalverlust (bei Einzelaktien) sind möglich. Bitte triff Anlageentscheidungen eigenständig und ziehe im Zweifel unabhängigen, lizenzierten Rat hinzu.
Quellen:
  • YouTube: „Gold & Silber fallen! Wie gehts weiter?“ – axinocapital / Jan Willhöft (Video oben eingebettet)
  • Bloomberg, 27.08.2026: „Gold Holds Near $4,600 as Investors Await Fed Chair Warsh’s Jackson Hole Speech“
  • CNBC, 28.08.2026: „Gold drops as Fed’s Warsh comments lift rate hike bets“
  • Fortune, 28.08.2026: „Kevin Warsh at Jackson Hole“ (Warsh: PCE-/CPI-Werte deuten noch keine nachhaltige Besserung an)
Tags
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⚠️ Disclaimer: Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Alle Angaben ohne Gewähr. Vergangene Performance ist kein Indikator für zukünftige Ergebnisse.

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