Manuel Grotz
Manuel Grotz Privatanleger · Aktionärsforum Bodensee
Pro Kilometer zur Kasse: Großbritannien macht das E-Auto-Fahren teurer (eVED ab 2028)
Steuern & Mobilität

Pro Kilometer zur Kasse: Großbritannien macht das E-Auto-Fahren teurer

Stand: Ende Juli 2026 · Steuern & Mobilität · Lesezeit ca. 8 Min.

Jahrelang war das Elektroauto der steuerliche Liebling der britischen Verkehrspolitik: keine Spritsteuer, lange keine Kfz-Steuer, dazu Kaufprämien. Damit ist bald Schluss. Ab dem 1. April 2028 führt Großbritannien als erstes Land der Welt eine landesweite, kilometerabhängige Abgabe für Elektroautos ein – die Electric Vehicle Excise Duty (eVED). Wer elektrisch fährt, zahlt dann für jede zurückgelegte Meile. Ein Modell, über das Finanzpolitiker in ganz Europa längst nachdenken.

3 Pence
pro Meile (~2,3 ct/km)
1. April 2028
Start der eVED
~445 £
pro Jahr (eVED + Kfz-Steuer)
1,5 Pence
für Plug-in-Hybride
~1,1 Mrd. £
Einnahmen 2028/29
6 Pence
Spritsteuer je Meile (Verbrenner)

1.Was genau auf die Fahrer zukommt

Die Regeln sind überschaubar. Reine Elektroautos und Wasserstofffahrzeuge werden mit 3 Pence pro Meile belastet – umgerechnet rund 2,2 bis 2,4 Cent pro Kilometer. Plug-in-Hybride kommen mit 1,5 Pence pro Meile glimpflicher davon, weil sie über den getankten Kraftstoff ohnehin Mineralölsteuer zahlen. Ab dem Steuerjahr 2029/30 sollen beide Sätze jährlich mit der Inflation (CPI) steigen.

Wichtig: Die eVED kommt zusätzlich zur normalen Kfz-Steuer (Vehicle Excise Duty), die E-Autos in Großbritannien seit 2025 wieder zahlen. Bei rund 8.500 Meilen im Jahr – dem britischen Durchschnitt – fallen etwa 255 Pfund eVED an, oben drauf kommt der reguläre Kfz-Steuersatz von derzeit 190 Pfund. Macht in Summe rund 445 Pfund pro Jahr.

Wie die Fahrleistung erfasst wird

Erfasst wird die Fahrleistung nicht per GPS, sondern klassisch über den Kilometerstand: Bei der Steuerverlängerung geben Halter ihren Odometer-Stand an und schätzen die Jahresfahrleistung, abgeglichen wird das Ganze über die jährliche Hauptuntersuchung (MOT). Ein flächendeckendes Bewegungs-Tracking ist zunächst nicht vorgesehen – ein Punkt, den die Regierung mit Blick auf den Datenschutz betont.

Zunächst ausgenommen bleiben elektrische Transporter, Busse, Reisebusse, Lkw und einige Spezialfahrzeuge. Range-Extender werden wie Plug-in-Hybride behandelt, Brennstoffzellenautos wie reine Stromer.

2.Warum der Staat das tut

Hinter der Abgabe steckt ein simples Rechenproblem. Der britische Fiskus verdient traditionell kräftig an der Mineralölsteuer (Fuel Duty) – Geld, das mit jedem verkauften Verbrenner-Liter fließt. Je mehr Autos elektrisch fahren, desto tiefer sinken diese Einnahmen. Ein Verbrenner spült pro Meile rund 6 Pence Spritsteuer in die Kasse; ein E-Auto bislang nichts.

Die eVED soll diese Lücke wenigstens teilweise schließen. Für das Finanzjahr 2028/29 rechnet die Regierung mit rund 1,1 Milliarden Pfund (etwa 1,3 Milliarden Euro), bis 2030/31 sollen es fast 1,9 Milliarden Pfund werden. Bewusst bleibt der Satz von 3 Pence dabei unter der Belastung eines Verbrenners von rund 6 Pence pro Meile – das E-Auto soll günstiger bleiben, aber eben nicht mehr steuerfrei.

3.Fairness oder Bremsklotz?

Die Befürworter argumentieren einleuchtend: Auch E-Autos nutzen Straßen, verursachen Verschleiß und Staus. Wer sie mitfinanziert, sorgt für ein gerechteres System, in dem nicht länger allein die Verbrenner-Fahrer die Infrastruktur schultern. Und mit der Hälfte des Satzes für Verbrenner bleibt ein echter Preisvorteil erhalten.
Die Kritiker sehen das anders: Der Wechsel zum E-Auto sei politisch gewollt – ausgerechnet jetzt eine neue Abgabe einzuführen, sende das falsche Signal und könnte zögernde Käufer abschrecken. Verbraucherschützer und Teile der Autobranche warnen zudem vor dem bürokratischen Aufwand der Kilometer-Selbstauskunft und der Gefahr von Manipulation. Nicht zuletzt haben Zehntausende Halter bereits Petitionen unterzeichnet.

4.Was heißt das für Deutschland?

Für deutsche Autofahrer ändert sich vorerst nichts – die eVED gilt nur im Vereinigten Königreich. Interessant ist der Vorstoß trotzdem, denn das Grundproblem ist überall dasselbe: Auch der deutsche Haushalt lebt gut von der Energiesteuer auf Sprit, und auch hier werden diese Einnahmen mit steigender E-Quote schrumpfen. Großbritannien liefert damit den ersten realen Praxistest für ein Modell, über das Finanzpolitiker in ganz Europa längst nachdenken.

Der Bezug zum großen Bild: Es ist dieselbe fiskalische Grundfrage wie bei den Debatten um das Reformpaket 2026 und die Einspeisevergütung – schrumpfende Einnahmequellen zwingen den Staat, neue zu erschließen. Ob eine kilometerabhängige Abgabe irgendwann auch hierzulande kommt, ist offen – aber die Debatte dürfte durch das britische Beispiel neuen Schub bekommen.

Fazit

Die eVED markiert das Ende der steuerfreien Ära für britische E-Autos. Für die meisten Fahrer bleibt der Stromer unterm Strich weiterhin günstiger als ein Verbrenner, doch die Botschaft ist klar: Auch elektrisch gefahrene Kilometer haben künftig ihren Preis. Großbritannien wagt damit einen Schritt, den andere Länder aufmerksam beobachten werden – als Blaupause oder als warnendes Beispiel. Für Anleger und Autofahrer gilt: Wer heute über den Kauf eines E-Autos oder ein Investment in die Ladeinfrastruktur nachdenkt, sollte die Richtung im Hinterkopf behalten – steuerfrei bleibt Mobilität auf Dauer nirgends.

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ℹ️ Hinweis: Dieser Beitrag informiert über eine ausländische Gesetzesänderung und ist keine Steuer-, Rechts- oder Anlageberatung. Sätze, Fristen und Einnahmeprognosen beruhen auf offiziellen Regierungsangaben nach Abschluss der Konsultation (Stand: Ende Juli 2026) und können sich ändern. Umrechnungen Pfund/Euro und Pence/Cent sind gerundet.

Quellen:

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