Manuel Grotz
Manuel Grotz Privatanleger · Aktionärsforum Bodensee
Einspeisevergütung gerettet? Reiche rudert zurück: Was der neue EEG-Entwurf für deine Solaranlage bedeutet (2026/2027)
Steuern & Politik

Reiche rudert zurück: Die Einspeisevergütung wird doch weitergezahlt – aber nur noch auf Zeit

Veröffentlicht am 19.07.2026 · Energie, Steuern & Politik · Lesezeit ca. 6 Min.

Monatelang sorgte der Plan von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) für Aufregung: Die Einspeisevergütung für neue kleine Photovoltaik-Anlagen sollte ab 2027 komplett gestrichen werden. Jetzt der Rückzieher – wie unter anderem das Manager Magazin berichtet, will Reiche die Vergütung nun doch weiterzahlen. Aber: Es wird eine Übergangslösung auf Zeit, keine Rückkehr zur alten 20-Jahre-Garantie. Wir erklären, was im überarbeiteten EEG-Entwurf steht – und warum das Inbetriebnahme-Datum deiner Anlage jetzt über zehntausende Euro entscheiden kann.

36 Monate
abgesenkte Übergangs-
vergütung ab 2027
+ 4 Jahre
Direktvermarktungs-
bonus im Anschluss
31.12.2026
Stichtag: bis dahin ans Netz
= 20 Jahre Festvergütung
29.07.
geplanter
Kabinettsbeschluss

1.Was ist passiert? Vom harten Förder-Aus zum Übergangsmodell

Am 17. Juli 2026 hat das Bundeswirtschaftsministerium eine überarbeitete Fassung des EEG-Referentenentwurfs an Verbände und Ressorts verschickt. Der ursprüngliche Entwurf sah vor, die Einspeisevergütung für neue PV-Anlagen bis 25 Kilowatt ab 2027 ersatzlos zu streichen – dieser harte Schnitt ist vom Tisch.

Der Rückzieher folgt auf massive Kritik: Neben der Solarbranche hatten auch Finanzminister Lars Klingbeil und Umweltminister Carsten Schneider (beide SPD) vor einem Ausbremsen der Energiewende gewarnt. Der Branchenverband BSW-Solar sprach von gefährdeten Investitionen in Milliardenhöhe und zehntausenden Arbeitsplätzen in Mittelstand und Handwerk.

2.Das neue Übergangsmodell im Detail

InbetriebnahmeRegelungBedeutung
Bis 31.12.2026
Bestand + Neuanlagen
Voller Bestandsschutz Feste Einspeisevergütung über die komplette 20-Jahre-Laufzeit bleibt garantiert. Aktuell (seit 01.02.2026): 7,78 ct/kWh bei Teileinspeisung, 12,34 ct/kWh bei Volleinspeisung (Anlagen bis 10 kWp).
Ab 01.01.2027
Stufe 1
Abgesenkte Übergangsvergütung Für bis zu 36 Monate gibt es eine reduzierte Einspeisevergütung. Wie hoch sie konkret ausfällt, ist noch offen.
Danach
Stufe 2
Direktvermarktungsbonus Für weitere 4 Jahre gibt es einen Bonus zur Direktvermarktung – der Solarstrom wird dann über Dienstleister an der Strombörse verkauft, zu schwankenden Preisen.
Langfristig Keine Dauerförderung mehr „Keine dauerhafte Förderung mehr“ für kleine Anlagen, heißt es aus dem Ministerium – ein Bruch mit der EEG-Logik seit dem Jahr 2000.
Der Systemwechsel im Kern: Aus einer 20 Jahre garantierten Festvergütung wird ein befristetes Auslaufmodell von insgesamt rund 7 Jahren – danach müssen sich neue Kleinanlagen allein über Eigenverbrauch und Börsenerlöse rechnen. In sonnigen Mittagsstunden mit negativen Strompreisen drohen dabei Einbußen, bei hohen Preisen winken Zusatzerlöse.

3.Was das für Hausbesitzer und Anlagen-Planer bedeutet

Entscheidend ist das Datum der Inbetriebnahme – daraus ergeben sich drei praktische Konsequenzen:

  • Wer eine PV-Anlage plant, sollte 2026 nutzen: Anlagen, die bis zum 31.12.2026 ans Netz gehen, sichern sich die aktuelle Festvergütung für 20 Jahre. Angesichts voller Auftragsbücher der Installateure sollte man nicht bis Dezember warten – zum Jahresende ist mit einem Schlussspurt zu rechnen.
  • Bestandsanlagen sind sicher: Wer bereits einspeist, ist vom Systemwechsel nicht betroffen – die zugesagte Vergütung läuft unverändert weiter.
  • Ab 2027 zählt Eigenverbrauch: Speicher, Wallbox und Wärmepumpe werden für die Wirtschaftlichkeit neuer Anlagen wichtiger als die Einspeisung. Die Rendite-Rechnung verschiebt sich vom „Verkaufen“ zum „Selbst nutzen“.

4.Kritik und Ausblick: Noch ist nichts beschlossen

Der Branchenverband BDEW wertet die Nachbesserungen als Schritt in die richtige Richtung, kritisiert aber das Eilverfahren – für die Stellungnahme zum umfangreichen Gesetzespaket blieben den Verbänden nur drei Tage. BSW-Solar warnt weiter vor einer „kaum überwindbaren Investitionsbarriere“ durch die Pflicht zur Direktvermarktung, da vielen Kleinanlagen-Betreibern schlicht die technischen Voraussetzungen fehlen.

Der weitere Fahrplan: Nach der verkürzten Verbändeanhörung soll das Kabinett am 29. Juli entscheiden, danach folgen Bundestag und Bundesrat. Ob der Zeitplan hält und die Neuregelung wie geplant 2027 greift, ist offen – Änderungen im parlamentarischen Verfahren sind gut möglich. Am Ziel von 80 Prozent Ökostromanteil bis 2030 (2025: 58 Prozent) hält der Entwurf fest.

Fazit

Reiches Rückzieher ist eine gute Nachricht für alle, die 2027 oder später bauen wollen – aus dem Förder-Aus wird ein sanfterer Übergang. Die noch bessere Nachricht gilt aber für alle, die jetzt handeln: Wer seine Anlage bis Ende 2026 in Betrieb nimmt, bekommt das alte Modell mit 20 Jahren Planungssicherheit – zum letzten Mal. Für alle danach gilt: Photovoltaik bleibt attraktiv, aber die Rechnung macht künftig der Eigenverbrauch, nicht mehr der Staat. Details zum Bericht auch beim Manager Magazin.

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⚠️ Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung dar. Grundlage ist ein Referentenentwurf (Stand 17.07.2026) – bis zum endgültigen Gesetzesbeschluss können sich Fristen, Vergütungshöhen und Regelungen noch ändern. Entscheidungen über den Kauf einer PV-Anlage sollten individuell und ggf. mit fachlicher Beratung getroffen werden.

Quellen: Manager Magazin – „Katherina Reiche will nun doch Einspeisevergütung weiterzahlen“; Cleanthinking – „Reiche entschärft Förder-Aus für kleine PV-Anlagen“ (18.07.2026); t-online – „EEG-Reform: Reiche gibt nach“; BMWK-Referentenentwurf (Stand 17.07.2026); aktuelle Vergütungssätze: Bundesnetzagentur (Stand 01.02.2026).

Tags
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⚠️ Disclaimer: Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Alle Angaben ohne Gewähr. Vergangene Performance ist kein Indikator für zukünftige Ergebnisse.

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