Manuel Grotz
Manuel Grotz Privatanleger · Aktionärsforum Bodensee
Die nächste Gold-Kaufwelle kommt nicht aus China – sondern von Milliarden Kleinsparern
Gold-Analyse

Die nächste Gold-Kaufwelle kommt nicht aus China – sondern von Milliarden Kleinsparern

Stand: 8. August 2026 · Edelmetalle · Lesezeit ca. 10 Min. · Keine Anlageberatung

Zentralbanken kaufen weiter Gold, klar. Doch die nächste fundamentale Nachfragewelle kommt laut einer Analyse des Kanals „Rohstoff Investor“ weder aus Peking noch aus dem Westen – sondern aus einem blinden Fleck, den viele übersehen: Milliarden Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern, die durch neue Technologien erstmals einen sicheren, günstigen und alltagstauglichen Zugang zu Gold bekommen. Wir fassen die These zusammen und ordnen sie ein – gerade beim heiklen Thema tokenisiertes Gold. Das Video ist eingebunden.

−14,1 %
Gold in Q2 2026
seit 2013
schwächstes Quartal
~2 Mrd.
neue Zielgruppe (Sharia)

Video: „Warum die nächste Gold-Kaufwelle nicht aus China kommt“ (Rohstoff Investor). Wir geben den Inhalt wieder und ordnen ihn eigenständig ein.

1.Die Ausgangslage: ein schwaches Quartal

Auf den ersten Blick sieht es nicht nach Bullenmarkt aus: Trotz steigender Schulden, Geldmengenausweitung und geopolitischer Konflikte war das zweite Quartal 2026 mit −14,1 % das schwächste Goldquartal seit 2013. Getragen wurde der Markt zuletzt von drei Akteuren:

TreiberRolle zuletzt
Zentralbankenbilden eine Art Preisboden (kaufen weiter)
Westliche ETFseher Abflüsse seit März 2026
Asiatische Privatanlegersolide, aber schwankend
Die These des Videos: Diese drei Gruppen erklären den bisherigen Markt. Der nächste große Schub komme aber von einer vierten, bislang ausgesperrten Gruppe – den Kleinsparern des globalen Südens.

2.Der neue Käufer: der globale Süden

Menschen in Ländern wie Argentinien haben Währungskrisen, Hyperinflation und faktische Enteignungen von Bankguthaben erlebt. Für sie ist Gold traditionell der logische Vermögensschutz. Das Problem war bisher nicht der Wunsch, sondern der Zugang:

  • extrem hohe Aufschläge beim Kauf von physischem Gold,
  • steuerliche Hürden (z. B. in Indien),
  • das schlichte Risiko, mit physischem Gold ausgeraubt zu werden.

3.Die technologischen Wendepunkte 2026

a) Neue Gold-ETFs in unerschlossenen Märkten

In Asien starten neue Produkte – u. a. der erste lokale physische Gold-ETF in Singapur seit über 20 Jahren und der erste Gold-ETF in Indonesien. Letzterer ist Sharia-zertifiziert, was der mehrheitlich muslimischen Bevölkerung erstmals im großen Stil das Investieren erlaubt.

b) Tokenisiertes Gold

Tokenisiertes Gold (z. B. Tether Gold) verbindet physisch in Hochsicherheitslagern hinterlegtes Gold mit der Blockchain. Tether Gold soll zuletzt „im Tempo von Zentralbanken“ gewachsen sein, hält über 146 Tonnen und hat im Juli 2026 eine Sharia-Zertifizierung erhalten – was den Markt für fast 2 Milliarden Muslime öffnet.

c) Gold-Kreditkarten für den Alltag

Über neue Krypto-Kreditkarten (etwa in Kooperation mit Visa) lässt sich tokenisiertes Gold auf eine Karte laden. Beim Bezahlen – im Café, im Supermarkt – wird das Gold im Hintergrund verlustarm in lokale Währung umgerechnet. Aus dem „toten“ Wertspeicher wird so ein alltagstaugliches Zahlungsmittel.

Die Logik ist bestechend: Wenn Milliarden Menschen Gold plötzlich günstig, sicher und alltagstauglich nutzen können, entsteht eine neue, breite Nachfragebasis – und zwar von Sparern, die Gold zum langfristigen Inflationsschutz halten, nicht zum kurzfristigen Spekulieren. Genau das könnte den Markt nachhaltig stützen.

4.Einordnung: starke Story, aber Vorsicht bei den Details

Was überzeugt: Der Zugangs-Engpass im globalen Süden ist real, und die Kombination aus lokalen ETFs, Sharia-Konformität und mobiler Technik senkt Hürden tatsächlich. Historisch war „einfacherer Zugang“ bei vielen Anlageklassen ein echter Nachfragetreiber.
Wo Skepsis angebracht ist: Tokenisiertes Gold verlagert das Vertrauen vom eigenen Tresor auf einen Emittenten und dessen Lager – es entstehen Gegenpartei-, Verwahr- und Regulierungsrisiken (gerade bei Anbietern aus dem Krypto-Umfeld). „Gold auf der Blockchain“ ist eben nicht dasselbe wie physisches Gold in der Hand. Zudem ist die Umwandlung „Gold → Fiat“ beim Bezahlen mit Kosten und steuerlichen Fragen verbunden. Und die prognostizierte „massive Zusatznachfrage“ ist eine plausible These – ihr Tempo und Ausmaß sind aber offen.
Auch der Ausgangspunkt mahnt zur Demut: Ein −14-%-Quartal zeigt, dass Gold trotz bester Fundamentalargumente heftig schwanken kann. Strukturelle Nachfrage baut sich über Jahre auf – sie ist kein Timing-Signal für die nächsten Wochen.

5.Fazit

Die These ist eine der interessanteren im Goldmarkt: Nicht Zentralbanken oder westliche Fonds, sondern der technologisch erschlossene globale Süden könnte die nächste, breite und langfristig orientierte Nachfragebasis bilden. Das wäre struktureller Rückenwind – vorausgesetzt, die neuen Kanäle setzen sich durch und die Risiken (vor allem beim tokenisierten Gold) werden beherrschbar. Für die eigene Anlage gilt: Die Idee spricht für Gold als langfristige Beimischung, ersetzt aber keine nüchterne Risikobetrachtung. Wer physische Sicherheit will, sollte physisches Gold nicht mit einem Token verwechseln. Wie unvollständig die offiziellen Nachfragedaten sein können, zeigt auch unser Beitrag zu Chinas Goldstrategie.

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Hinweis: Dieser Beitrag fasst die Analyse eines YouTube-Videos zusammen und ordnet sie journalistisch ein. Er stellt keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Genannte Zahlen und Prognosen beruhen teils auf Schätzungen und können sich ändern. Tokenisiertes Gold ist mit besonderen Gegenpartei-, Verwahr- und Regulierungsrisiken verbunden und nicht mit physischem Goldbesitz gleichzusetzen. Für Anlageentscheidungen sind eigene Recherche bzw. eine qualifizierte Beratung maßgeblich.
Quellen:
  • Analyse „Rohstoff Investor“ (YouTube)
  • Marktangaben laut Video: Gold Q2 2026 −14,1 %, ETF-Abflüsse seit März 2026, neue Gold-ETFs (Singapur/Indonesien), Tether Gold (> 146 t, Sharia-Zertifizierung Juli 2026), Gold-Kreditkarten via Visa-Kooperation
Tags
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⚠️ Disclaimer: Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Alle Angaben ohne Gewähr. Vergangene Performance ist kein Indikator für zukünftige Ergebnisse.

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