Fakten, Freiheit, Fortschritt: Warum die Partei der Humanisten für mich die modernste liberale Partei Deutschlands ist
Zwischen Parteien, die Politik nach Bauchgefühl, Ideologie oder Klientelinteressen machen, gibt es eine kleine Partei, die einen anderen Anspruch formuliert: Politik auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse, maximale Freiheit des Einzelnen und ein unerschütterlicher Fortschrittsoptimismus. Die Partei der Humanisten (PdH) kennt kaum jemand – ihre Wahlergebnisse liegen im Promillebereich. Warum ich trotzdem finde, dass sie die modernste liberale Partei Deutschlands ist, welches Potenzial in ihr steckt und wo sie ehrlicherweise an Grenzen stößt: ein Meinungsbeitrag.
Freiheit, Fortschritt
Bundes- & Landtagswahlen
zur Landtagswahl
1.Wer ist die Partei der Humanisten überhaupt?
Die PdH wurde 2014 gegründet und beschreibt sich selbst als sozial, liberal und progressiv – mit der Freiheit des Einzelnen im Mittelpunkt. Ihr Anspruch, festgehalten im Grundsatzprogramm: Politik soll sich an einer „kritisch-rationalen und wissenschaftlich fundierten Auseinandersetzung mit der Realität“ orientieren. Seit 2017 tritt die Partei zu allen Bundestags- und Europawahlen sowie zu diversen Landtagswahlen an – zuletzt auch bei den Landtagswahlen 2026 in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.
Zu den Kernpositionen gehören die strikte Trennung von Staat und Kirche (Abschaffung der Kirchensteuer, Ethik- statt Religionsunterricht), die Ablehnung staatlicher Bevormundung bei Leihmutterschaft, Prostitution, aktiver Sterbehilfe und Schwangerschaftsabbrüchen, ein bundesweit einheitliches Bildungssystem sowie wissenschaftsbasierte Klimapolitik und Technologieoffenheit – ausdrücklich auch bei Gentechnik und Fleischersatz.
2.Warum die PdH in meinen Augen eine moderne liberale Partei ist
Erstens: Evidenz statt Ideologie. Die meisten Parteien suchen sich Studien, die zu ihrer Weltanschauung passen. Die PdH dreht das Prinzip um – erst die Faktenlage, dann die Position. Das klingt banal, ist im deutschen Parteienspektrum aber tatsächlich ein Alleinstellungsmerkmal. Ob Klimapolitik, Drogenpolitik oder Gentechnik: Wer bereit ist, Positionen zu ändern, wenn sich die Studienlage ändert, betreibt Politik wie ein guter Investor sein Depot führt – rational statt emotional.
Zweitens: Freiheit konsequent zu Ende gedacht. Klassische liberale Parteien sind oft nur dort liberal, wo es zur Klientel passt – wirtschaftsliberal, aber gesellschaftspolitisch angezogen. Die PdH ist in beide Richtungen konsequent: Selbstbestimmung am Lebensende, über den eigenen Körper, in der Lebensführung – und zugleich schlanker Staat ohne religiöse Sonderprivilegien. Das ist Liberalismus als Prinzip, nicht als Lobbyprogramm.
Drittens: Fortschrittsoptimismus. Während große Teile der deutschen Politik Technologie primär als Risiko diskutieren, sieht die PdH in Forschung und Innovation den Schlüssel zu Wohlstand – von der Energieversorgung bis zur Landwirtschaft. Als Finanzblogger sage ich: Genau diese Haltung ist es, die Volkswirtschaften langfristig reich macht. Deutschlands Wohlstandsproblem ist kein Verteilungs-, sondern ein Innovationsproblem.
3.Das Potenzial: Wen könnte die PdH erreichen?
- Heimatlose Liberale: Nach den turbulenten Jahren der FDP suchen viele wirtschaftsliberale, aber gesellschaftlich progressive Wähler eine Alternative ohne Kulturkampf-Rhetorik.
- Junge, wissenschaftsaffine Wähler: Die Generation, die mit Evidenz, Daten und Tech-Optimismus aufgewachsen ist, findet in keinem etablierten Programm ihre Sprache wieder – bei der PdH schon.
- Konfessionsfreie: Inzwischen gehört rund die Hälfte der Deutschen keiner Kirche mehr an – die strikte Trennung von Staat und Kirche hat eine wachsende natürliche Zielgruppe.
- Enttäuschte Volt-Sympathisanten: Wer Volts Pro-Europa-Kurs mag, aber mehr Freiheitsfokus und weniger Regulierungsfreude will, ist bei den Humanisten näher dran.
4.Ehrlich bleiben: Die Hürden sind gewaltig
Zur Wahrheit gehört auch das: Bei der Bundestagswahl 2025 holte die PdH 0,0 Prozent der Zweitstimmen, historisch pendelt sie zwischen 0,1 und 0,2 Prozent. Der Landesverband Baden-Württemberg zählt nach eigenen Angaben rund 300 Mitglieder – das reicht nicht einmal für flächendeckende Wahlkampfstände. Die Fünf-Prozent-Hürde ist für Kleinparteien ein fast unüberwindbares Bollwerk, und ohne staatliche Parteienfinanzierung (die erst ab 0,5 Prozent bei Bundestagswahlen fließt) fehlt schlicht das Geld für Sichtbarkeit. Hinzu kommt ein struktureller Nachteil: „Rationalität“ mobilisiert keine Emotionen – Wahlkampf aber lebt von ihnen. Und manche Kritiker halten der PdH vor, dass „die Wissenschaft“ auf viele politische Fragen – Verteilung, Werte, Prioritäten – schlicht keine eindeutige Antwort gibt; Politik bleibt am Ende Abwägung, nicht Rechenaufgabe.
Realistisch ist der Weg über die kommunale Ebene, über Europawahlen ohne Sperrklausel – und über die Funktion als Ideengeber: Kleinparteien gewinnen selten Mandate, aber sie verschieben Debatten. Die Piraten haben Digitalpolitik auf die Agenda gezwungen, die Grünen brauchten von der Gründung bis zur Regierungsbeteiligung fast 20 Jahre. Potenzial hat, wer eine Lücke besetzt, die größer wird – und die Lücke der PdH (säkular, evidenzbasiert, freiheitlich) wächst demografisch jedes Jahr.
Fazit
Die Partei der Humanisten wird auf absehbare Zeit keine Wahlen gewinnen – aber sie stellt die richtige Frage: Wie sähe Politik aus, wenn wir sie auf Fakten statt auf Ideologie bauen würden? In meinen Augen ist sie damit die modernste liberale Kraft im Land, ein Labor für Ideen, die die Großen früher oder später übernehmen werden. Wer sein Kreuz als Investition in die Debattenlandschaft versteht statt als Wette auf Mandate, sollte sich die PdH zumindest einmal anschauen – ihr Programm ist öffentlich, und bei der Bundeszentrale für politische Bildung gibt es die neutrale Kurzvorstellung. Bilde dir wie immer dein eigenes Urteil – am besten faktenbasiert. Das würde ganz im Sinne der Humanisten sein.
Quellen: bpb – Partei der Humanisten (Landtagswahl BW 2026); pdh.eu – offizielle Website und Programm; Wikipedia – Partei der Humanisten.