Kein Silber mehr in Solarzellen? Warum die Silber-These trotz LONGi nicht platzt
Eine Meldung sorgt in der Silber-Community für Nervosität: LONGi, der weltgrößte Solarmodulhersteller, hat die Massenproduktion von Solarzellen gestartet, die Silber durch Kupfer ersetzen (Alloy-Contact-Matrix, vor allem bei Back-Contact-Zellen) – berichtet von Bloomberg. Sofort steht die Frage im Raum: Platzt damit die bullische Silber-These, die stark auf der Solar-Nachfrage aufbaut? Jan Willhöft (axinocapital) ordnet das ein – und kommt zu einem klaren Nein. Wir fassen die Argumente zusammen und prüfen sie nüchtern.
Video: „Platzt die Silber-These!?“ (Jan Willhöft / axinocapital). Wir geben den Inhalt wieder und ordnen ihn eigenständig ein.
1.Der Auslöser: Kupfer statt Silber
Solar war 2025 mit rund 17–25 % ein gewichtiger Teil der weltweiten Silbernachfrage. Dass ausgerechnet hier Silber ersetzt werden soll, klingt zunächst dramatisch. LONGi und andere chinesische Hersteller reagieren mit „Thrifting“ (weniger Silber pro Zelle) und Kupfer-Substitution auf die stark gestiegenen Silberpreise – schlicht, um Kosten zu senken.
2.Das eigentliche Bottleneck: das Angebot
Der Kern der Silber-These war nie allein die Solar-Nachfrage, sondern die strukturell enge Angebotsseite. Und die bleibt eng:
- Das Silver Institute rechnet weiter mit einem Defizit von 40–50 Mio. Unzen.
- Nur ca. 30 % der Produktion stammt aus reinen Silberminen – der Rest ist Beiprodukt (v. a. Kupfer-, Blei-, Zinkminen). Viele Kupferminen stehen unter Druck oder sind teilstillgelegt.
- Neue reine Silberminen brauchen Jahre und werden kaum gebaut.
- Recycling steigt nur langsam, weil die Preise zu volatil sind.
3.Breitere Nachfrage: mehr als nur Solar
Die temporäre Solar-Schwäche (trotz Rekordproduktion in China 2025) wird teilweise durch andere Bereiche kompensiert:
| Treiber | Rolle |
|---|---|
| Nukleartechnik | wachsender industrieller Bedarf |
| KI / Datencenter | Elektronik- und Kühlkomponenten |
| E-Mobilität | Silber in Kontakten/Elektronik |
| Rüstung / Space | Hochzuverlässigkeits-Anwendungen |
| Monetäre Nachfrage | Silber zunehmend als Wertspeicher/„kleiner Bruder des Goldes“ |
Ein Indikator für das Anlegerinteresse: Physische Silber-ETFs halten rund 61 Mrd. USD an verwaltetem Vermögen – allein BlackRock etwa 30 Mrd.
4.Das monetäre Argument: die Gold-Silber-Ratio
Zusätzlich gewinnt Silber als monetäres Metall an Bedeutung. Die Gold-Silber-Ratio liegt aktuell bei rund 70 – in starken Edelmetall-Bullenphasen war sie historisch oft deutlich niedriger. Für Silber-Bullen ist das ein Hinweis auf relatives Aufholpotenzial gegenüber Gold. Wichtig zur Fairness: Die Ratio ist ein Stimmungs- und Bewertungsindikator, kein Automatismus – sie kann lange erhöht bleiben.
5.Fazit
Willhöfts Schluss: Die Silber-These platzt nicht. Die Angebotsseite bleibt das eigentliche Nadelöhr; die Solar-Substitution ist real und dämpft die Nachfrage, ist aber weder schnell noch umfassend genug, um die strukturelle Knappheit aufzuheben. Hinzu kommt die wachsende monetäre Rolle. Er bleibt daher bullish auf Silber und ausgewählte Silberminen (u. a. Aya Gold & Silver) – betont aber ausdrücklich, dass es keine Anlageberatung ist.
- Analyse Jan Willhöft / axinocapital (YouTube, 06.08.2026)
- Bloomberg – Bericht zur LONGi-Kupfer-Substitution (ACM-Technologie)
- Silver Institute (Defizit-Schätzung); UBS (Nachfrageprognose 2026)
⚠️ Disclaimer: Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Alle Angaben ohne Gewähr. Vergangene Performance ist kein Indikator für zukünftige Ergebnisse.