Boom mit eingebautem Risiko: Solltest du deinen Emerging Markets ETF jetzt verkaufen?
Wer breit gestreut investiert, kommt an ihnen nicht vorbei: den Schwellenländern. Der MSCI Emerging Markets ETF gilt als perfekte Ergänzung zum MSCI World. Doch in diesem Jahr ist der sonst eher träge Index in der Spitze um fast 30 % in Euro nach oben geschossen – und genau dieser Boom hat ein Risiko eingebaut, das kaum ein Privatanleger auf dem Schirm hat.
Während die Finanzmedien den Hype feiern, regt sich bei erfahrenen Investoren Skepsis. Sebastian Hell vom Kanal Hell Investiert wirft in seinem Video einen Blick hinter die Kulissen des Schwellenländer-Booms und deckt ein extremes Klumpenrisiko auf.
Video: „Fast jeder hat ihn! Diesen ETF jetzt verkaufen?“ – Quelle: Hell Investiert (YouTube)
Die Kehrseite des Erfolgs: Schwellenländer sind nicht mehr günstig
Anfang des Jahres galt der Emerging Markets Index noch als echtes Value-Investment mit niedrigen Bewertungen. Das hat sich fundamental geändert. Die Analyse zeigt zwei besorgniserregende Entwicklungen:
- Die Stimmung kippt in die Euphorie: Der Sentiment-Indikator für Schwellenländer ist förmlich explodiert. Historisch waren derart euphorische Phasen fast immer Vorboten einer baldigen Korrektur.
- Die Risikoprämie ist futsch: Normalerweise verlangen Anleger für das höhere Risiko in Schwellenländern eine Renditeprämie. Aktuell ist diese Prämie so weit eingebrochen, dass EM-Aktien – gemessen an ihrem Risiko – sogar weniger abwerfen als entwickelte Märkte außerhalb der USA.
Das 50/30-Klumpenrisiko: ein Index im Würgegriff der Chip-Industrie
Der Name „Emerging Markets“ suggeriert breite Streuung über dutzende Länder von Lateinamerika über Afrika bis Asien. Die Realität im Factsheet sieht – getrieben vom globalen KI- und Halbleiter-Hype – völlig anders aus.
Zwei Länder machen rund die Hälfte aus
Wer den Index kauft, investiert zu etwa der Hälfte in nur zwei Volkswirtschaften:
| Land | Gewichtung (ca.) |
|---|---|
| Taiwan | ~25 % |
| Südkorea | ~23 % |
| Zusammen | ~48–50 % |
Der südkoreanische Markt hat sich zuletzt förmlich verdoppelt und bewegt sich bewertungstechnisch auf Niveaus, die zuletzt während der Dotcom-Blase um das Jahr 2000 zu sehen waren.
Drei Aktien dominieren den ETF
Noch extremer wird es bei den Top-Positionen. Ein großer Teil des Index hängt an drei Tech-Giganten:
| Aktie | Gewichtung (ca.) |
|---|---|
| TSMC (Taiwan Semiconductor) | ~15 % |
| Samsung Electronics | ~8 % |
| SK Hynix | ~7 % |
| Top 3 zusammen | ~30 % |
Der IT-Sektor macht im Index inzwischen über 40 % aus. Damit ist der „Schwellenländer“-ETF faktisch zu einer Wette auf die globale Halbleiter-Lieferkette geworden. Bricht der Chip-Sektor ein, reißt er den gesamten ETF mit in die Tiefe.
Der Kern in einem Satz: Du glaubst, breit über die Wachstumsmärkte der Welt gestreut zu sein – tatsächlich hängt rund die Hälfte deines EM-Investments an zwei Ländern und ein Drittel an drei Chip-Aktien.
Was solltest du jetzt tun?
Die Analyse rät ausdrücklich von Panikverkäufen ab, empfiehlt aber eine klare Differenzierung je nach Anlagestrategie:
Für den langfristigen Sparplan-Anleger
Besparst du den ETF für die Altersvorsorge über 10, 15 oder 20 Jahre, gilt: Ruhe bewahren und stur weiterlaufen lassen. Eine mögliche Korrektur im Chip-Sektor von 10–15 % solltest du gedanklich einplanen – und im Zweifel als antizyklische Nachkaufchance nutzen, um günstiger zusätzliche Anteile zu erwerben.
Für den aktiven/taktischen Investor
Wer Anfang des Jahres gezielt auf die Unterbewertung der Schwellenländer gesetzt hat, sollte jetzt wachsam sein. Da die Luft im koreanischen und taiwanesischen Markt dünner wird, bietet es sich an, aufgelaufene Gewinne zu sichern oder den Stop-Loss eng nachzuziehen.
Mein Fazit
Klumpenrisiko ist nicht gleich Verkaufssignal. Wer langfristig und regelbasiert bespart, fährt mit Aussitzen und planvollem Nachkaufen meist besser als mit hektischen Reaktionen. Entscheidend ist, dass du weißt, was du wirklich hältst: Der MSCI Emerging Markets ist heute kein breit gestreutes Schwellenländer-Investment mehr, sondern zu großen Teilen ein Asien-Tech-Konzentrat. Wer das bewusst akzeptiert, kann es halten. Wer echte Diversifikation sucht, sollte über Beimischungen nachdenken – etwa stärker auf andere Regionen oder Sektoren gewichtete Bausteine.
Wie siehst du die Entwicklung beim MSCI Emerging Markets? Sitzt du die Tech-Unwucht langfristig aus – oder hast du bereits reagiert? Schreib es gern in die Kommentare.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und gibt eine Markteinschätzung wieder, die sich auf das verlinkte Video von Hell Investiert sowie öffentlich verfügbare Daten (Stand Juni 2026) stützt. Er stellt keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Genannte Gewichtungen sind Näherungswerte und ändern sich laufend; maßgeblich ist das aktuelle Factsheet des jeweiligen ETF. Investitionen in Wertpapiere sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden.