Wladimir Solowjow im Weltwoche-Gespräch: Wer ist Russlands umstrittenster Meinungsmacher?
Roger Köppel sucht für die Weltwoche das direkte Gespräch mit einem der bekanntesten – und umstrittensten – Fernsehjournalisten Russlands. Ein Blick auf das knapp zweistündige Interview, seine Themen und die Frage, wie man solche Aussagen einordnet.
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Worum geht es?
In diesem rund zweistündigen Daily-Spezial der Weltwoche führt Chefredaktor Roger Köppel ein ausführliches Gespräch mit dem russischen Fernsehjournalisten Wladimir Solowjow. Die Weltwoche kündigt ihn als „Russlands umstrittensten und einflussreichsten Meinungsmacher“ an – ein Mann, der in der öffentlichen Debatte Russlands eine herausragende Rolle spielt und dessen Sendungen Millionen erreichen.
Köppels journalistischer Leitgedanke: Auch mit kontroversen Figuren müsse man reden, um deren Denken und damit eine in Russland weit verbreitete Sichtweise besser zu verstehen. Das Format ist als mehrteilige Reihe angelegt; in einem weiteren Teil entwickelt sich das Gespräch zu einem regelrechten „Duell“ zwischen den beiden.
Kurzprofil · Wladimir Solowjow
Wladimir Solowjow (geb. 1963) ist Moderator der Sendung „Abend mit Wladimir Solowjow“ auf dem russischen Staatssender Rossija-1 und einer der reichweitenstärksten Fernsehjournalisten des Landes. Er gilt als enger Unterstützer des Kreml.
Im Westen wird er von Regierungen und Medien überwiegend als führende Stimme der staatlichen russischen Propaganda eingeordnet und steht unter anderem auf den Sanktionslisten der EU, der Schweiz, Grossbritanniens und weiterer Länder. Seine Aussagen sind dort entsprechend höchst umstritten.
Die zentralen Themen
Das Gespräch berührt eine Reihe der grossen geopolitischen Streitfragen der Gegenwart – durchgängig aus der Perspektive seines Gegenübers:
- Der Ukraine-Krieg und seine Ursachen aus russischer Sicht
- Das Verhältnis Russlands zum Westen, zur NATO und zur EU
- Die westliche Sanktionspolitik und ihre Wirkung
- Die Rolle der Medien und der öffentlichen Meinung in Ost und West
- Wie Solowjow das Denken eines grossen Teils der russischen Bevölkerung beschreibt
„Mit einem solchen Mann muss man reden“ – das journalistische Grundprinzip, das hinter Köppels Entscheidung steht, das Gespräch überhaupt zu führen.
Warum das Interview Aufsehen erregt
Schon vor und nach der Veröffentlichung löste das Gespräch eine ausserordentlich breite Debatte aus. In den Leserforen der Weltwoche entzündete sich eine intensive Diskussion – zwischen jenen, die das Gespräch als wichtigen Beitrag zur Meinungsvielfalt und zum Verständnis der „anderen Seite“ begrüssen, und jenen, die einem als Propagandisten eingestuften Akteur grundsätzlich keine zusätzliche Bühne geben wollen.
Genau dieser Streit – zwischen dem Anspruch, alle Standpunkte zu hören, und der Sorge vor der Verbreitung gezielter Desinformation – macht das Video zu einem aufschlussreichen Lehrstück über die Grenzen und Aufgaben des Journalismus in einer polarisierten Zeit.
Redaktionelle Einordnung
Die im Video geäusserten Ansichten sind die des Interviewten und stehen für eine pointierte, in weiten Teilen des Westens scharf kritisierte Position. Wladimir Solowjow wird von westlichen Regierungen und Medien überwiegend als Propagandist eingestuft und ist sanktioniert.
Aussagen zum Kriegsgeschehen, zu Ursachen und Verantwortlichkeiten sollten daher kritisch und mit Blick auf unabhängige, faktengeprüfte Quellen betrachtet werden. Ein Interview wiederzugeben bedeutet nicht, seinen Inhalt zu bestätigen – es ermöglicht, eine Argumentation zu kennen und einzuordnen.