Das Duell: Köppel vs. Solowjow – Geschichte, Gulag und der Nichtangriffspakt
In der zweiten Runde wird aus dem Interview ein echtes Streitgespräch. Köppel greift an, Solowjow pariert – und beide liefern sich heftige Auseinandersetzungen über Sowjetgeschichte, den Hitler-Stalin-Pakt und was diese Vergangenheit über das Russland von heute aussagt.
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Das knapp zweistündige Erstgespräch: Hintergründe, Biografie, Ukraine-Krieg und das Verhältnis Russlands zum Westen. Wer Teil 1 noch nicht gesehen hat, sollte dort beginnen.
Von der Analyse zum Duell
War Teil 1 noch ein weitgehend ruhiges Kennenlern-Interview, ändert sich der Ton in Teil 2 grundlegend. Köppel geht offensiver vor, stellt historische Thesen in den Raum – und Solowjow lässt sich davon nicht einschüchtern. Das Ergebnis ist ein echtes Streitgespräch, das stellenweise deutlich hitzig wird.
Die rund 85 Minuten drehen sich vor allem um die grosse offene Wunde der russisch-westeuropäischen Geschichtsdeutung: Wie bewertet man die Sowjetzeit? Wer trägt Schuld am Zweiten Weltkrieg? Und was bedeutet das alles für die Gegenwart?
Die zentralen Konfliktpunkte
Köppel konfrontiert Solowjow mit der Opferzahl der sowjetischen Diktatur – gestützt auf das „Schwarzbuch des Kommunismus“ und Solschenizyn. Solowjow weist die Zahlen scharf zurück und argumentiert mit demografischen Wachstumsdaten.
Köppel thematisiert den Molotow-Ribbentrop-Pakt. Solowjow kontert: Moskau habe diesen Pakt als letztes unterzeichnet – nachdem westliche Staaten bereits eigene Vereinbarungen mit Hitler-Deutschland geschlossen hatten.
Ein im Westen wenig beachteter Fakt: Polen schloss bereits im Januar 1934 – mehr als fünf Jahre vor Moskau – einen Nichtangriffspakt mit Adolf Hitler. Solowjow nutzt dies als historisches Gegenargument.
Auf die Frage, ob er lieber in der Sowjetunion als im heutigen Russland leben würde, antwortet Solowjow unmissverständlich: Ja – die Sowjetunion sei sein Vaterland, und er liebe sie.
Die schärfste Szene: Gulag-Streit
Köppel stützt sich auf Schätzungen aus dem „Schwarzbuch des Kommunismus“ zu den Opfern des Gulag-Systems. Solowjows Reaktion fällt nicht diplomatisch aus – er weist die Quellengrundlage als unwissenschaftlich zurück und fordert Köppel auf, die Gesamtverluste des 20. Jahrhunderts gegenüberzustellen: Erster Weltkrieg, Bürgerkrieg, Zweiter Weltkrieg.
Sein zentrales Argument: Wenn man alle Verlustzahlen aufaddiere, wäre bei einer gezielten Vernichtungspolitik kein jährlicher Bevölkerungszuwachs möglich gewesen. Köppel bleibt eine direkte Antwort schuldig.
„Wir waren die Letzten, die diesen Pakt schlossen – während ihr versucht habt, uns zu verraten.“ — Solowjow über den Molotow-Ribbentrop-Pakt
Was das Duell über den Diskurs verrät
Unabhängig davon, wessen Positionen man für überzeugender hält: Das Gespräch zeigt schlaglichtartig, wie weit die Geschichtsbilder in Russland und Westeuropa auseinanderliegen. Wo Köppel eine Kontinuität von sowjetischer Unterdrückung bis zu Putins Russland sieht, betont Solowjow nationale Stärke, historisches Trauma und westliche Doppelmoral.
Solowjow selbst hat auf die Resonanz reagiert: Er lobt Köppel als „fast einzigen Journalisten aus Europa, der ehrlich versucht, die Sichtweise der russischen Seite zu verstehen“ – und stellt dabei das Prinzip des ungeschnittenen, unterbrechungsfreien Zuhörens in den Vordergrund, das das Format auszeichnet.
- Teil 2 ist kürzer (ca. 85 Min.), aber argumentativ deutlich konfrontativer als Teil 1
- Köppel kommt als studierter Historiker mit konkreten historischen Thesen – Solowjow pariert mit Gegenzahlen und alternativen Quellen
- Das Video erreichte ebenfalls mehr als 1.000 Likes auf der Weltwoche-Plattform und 144 Kommentare
- Auch Teil 2 löst intensive Kontroversen aus – über den Sinn und die Grenzen des Gesprächs mit sanktionierten Personen
Die in diesem Video geäusserten Aussagen – insbesondere zur Sowjetgeschichte, zum Gulag und zum Zweiten Weltkrieg – sind die von Wladimir Solowjow und entsprechen einer vom russischen Staat geförderten Geschichtsdeutung. Sie widersprechen in zentralen Punkten dem wissenschaftlichen Konsens westlicher Historiker.
Solowjow steht auf den Sanktionslisten der EU, der Schweiz und weiterer westlicher Länder. Die Wiedergabe seiner Argumente dient dem Verständnis dieser Weltsicht – nicht ihrer Bestätigung. Leserinnen und Leser werden zur eigenständigen Einordnung anhand unabhängiger, peer-reviewter Quellen zur sowjetischen Geschichte eingeladen.
Biografie, Einordnung, Ukraine-Krieg und das Verhältnis Russlands zum Westen – alles im ersten Teil des Gesprächs auf manuel360finanz.de.