Zuckersteuer: Vor- und Nachteile im Check – und warum ich dafür bin
Deutschland diskutiert wieder über die Zuckersteuer – und diesmal wird es konkret: Ab 2027 soll eine gestaffelte Abgabe auf zuckerhaltige Getränke kommen. Ich sage vorweg ehrlich, wo ich stehe: Ich bin dafür. Zu viel Zucker ist ein echtes Gesundheitsproblem, und die steigende Zahl an Typ-2-Diabetes-Fällen zeigt, dass wir handeln müssen. Trotzdem lohnt es sich, die Argumente sauber gegeneinander abzuwägen – denn eine gute Idee kann man auch schlecht umsetzen. Deshalb hier der faire Blick auf beide Seiten.
1.Was in Deutschland geplant ist
Nach den berichteten Plänen soll die Steuer nach dem Zuckergehalt gestaffelt sein:
| Zuckergehalt (pro 100 ml) | Abgabe (pro Liter) |
|---|---|
| 4,5–7 g | 26 Cent |
| über 7 g | 32 Cent |
| über 10 g | 38 Cent |
| Getränke mit Süßstoffen (z. B. Cola Zero) | 26 Cent |
Erfasst werden sollen u. a. Softdrinks, Säfte, Eistees, Milchmischgetränke, Biermischgetränke und trinkfertige Kaffeegetränke. Über die genaue Ausgestaltung streitet die Koalition noch – besonders umstritten ist, dass sogar zuckerfreie Getränke besteuert werden sollen.
2.Der Faktencheck: Was das UK-Vorbild zeigt
Wer wissen will, ob so eine Steuer wirkt, schaut nach Großbritannien. Dort gilt seit 2018 die „Soft Drinks Industry Levy“. Die Ergebnisse sind bemerkenswert:
- Der Zuckergehalt in Erfrischungsgetränken sank laut Oxford-Studie von 4,4 g/100 ml (2015) auf 2,9 g/100 ml (2019) – ein Rückgang um rund 35 %.
- Der Pro-Kopf-Zuckerkonsum über Getränke fiel um rund 30 % (−4,6 g pro Tag).
- Die Zuckermenge, die Kinder über Limonaden aufnahmen, halbierte sich binnen eines Jahres.
3.Die Argumente dafür
- Weniger Zucker, weniger Krankheit: Weniger Zucker in Getränken bedeutet weniger „leere Kalorien“ – und damit ein geringeres Risiko für Übergewicht, Typ-2-Diabetes, Karies und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
- Reformulierung wirkt am schnellsten: Die Hersteller reagieren auf die Staffelung und senken den Zuckergehalt – ganz ohne Verbot.
- Kinder profitieren besonders: Süßgetränke sind eine Hauptzuckerquelle bei Kindern; hier setzt die Steuer wirksam an.
- Gesundheitskosten: Ernährungsbedingte Krankheiten belasten das Solidarsystem enorm – Prävention entlastet langfristig auch die Kassen (siehe unser Beitrag zum GKV-Spargesetz).
4.Die Argumente dagegen
- Bevormundung: Kritiker sehen einen Eingriff in die Entscheidungsfreiheit – was man isst und trinkt, sei Privatsache; zuckerfreie Alternativen gebe es längst.
- Soziale Schieflage: Verbrauchssteuern wirken regressiv – sie belasten einkommensschwache Haushalte anteilig stärker.
- Wirtschaft & Grenzeffekte: Höhere Preise könnten Einkäufe ins Ausland verlagern und Arbeitsplätze in der Getränke-/Landwirtschaftsbranche gefährden.
- Der Zero-Widerspruch: Zuckerfreie Getränke (Cola Zero & Co.) mit zu besteuern, untergräbt das Gesundheitsargument – wer keinen Zucker trinkt, wird trotzdem belastet. Das ist die schwächste Stelle des aktuellen Entwurfs.
- Begrenzte Reichweite: Die Steuer trifft nur Getränke – Zucker aus Süßigkeiten, Backwaren & Co. bleibt außen vor.
5.Ehrlich zur Gesundheit: „Zucker ist Gift“?
6.Mein Fazit
Ich bleibe dabei: Die Zuckersteuer ist ein sinnvolles Instrument – vor allem, weil sie über die Reformulierung wirkt und Kinder schützt. Das britische Beispiel zeigt, dass sie den Zuckergehalt real senkt, ohne dass jemandem etwas verboten wird. Zugleich muss man die Kritik ernst nehmen: Die soziale Wirkung sollte abgefedert werden, und die Besteuerung zuckerfreier Getränke ist ein echter Konstruktionsfehler, der das Gesundheitsziel verwässert. Eine gute Zuckersteuer zielt klar auf den Zucker – nicht auf alles, was süß schmeckt. Wenn die Politik das sauber umsetzt, überwiegen für mich die Vorteile deutlich. Das ist meine Meinung – die Abwägung darf jeder für sich treffen.
- Berichterstattung zur geplanten Zuckersteuer in Deutschland ab 2027 (u. a. ZDFheute, Handelsblatt, Verbraucherzentrale, Euronews, 2026)
- Oxford-Studie / foodwatch zur britischen „Soft Drinks Industry Levy“ (Zuckergehalt −35 %, Pro-Kopf-Konsum −30 %)
- Positionen von Zuckerverbänden/Lebensmittelindustrie (Contra-Argumente)