Zentralbank-Insider warnt deutsche Gold-Besitzer: Was Gregor Gregersen wirklich meint
Im Kanal „Rohstoff Investor“ spricht Gregor Gregersen, Gründer des Edelmetallhändlers Silver Bullion in Singapur, Klartext: über das schwindende Vertrauen in den US-Dollar, Chinas verdeckte Goldkäufe abseits der großen Börsen, die Risiken von Gold-Nationalisierungen – und warum der Silbermarkt vor neuen, heftigen Engpässen stehen könnte.
1.Vertrauenskrise: Warum der Dollar das eigentliche Thema ist
Gregersen sieht die jüngsten Preiskorrekturen bei Edelmetallen nicht als Beginn eines langanhaltenden Bärenmarktes. Zur Einordnung verweist er auf die historische Bilanz: Gold ist in den vergangenen 50 Jahren im Schnitt um 8 % pro Jahr gestiegen.
Der eigentliche Treiber liegt für ihn tiefer: Das globale Finanzsystem basiert maßgeblich auf dem Vertrauen in den US-Dollar als Reservewährung. Angesichts explodierender US-Schulden und geopolitischer Konflikte rechnet Gregersen in den kommenden zehn Jahren mit einer tiefen Vertrauenskrise der Weltleitwährung – vergleichbar mit den inflationären 1970er-Jahren, in denen Gold stark profitierte.
2.Chinas verdeckte Goldstrategie und Hongkong als Backup
Nach Gregersens Einschätzung kauft China enorme Mengen physisches Gold über den OTC-Markt (Over-the-Counter, also im Direkthandel) – abseits der großen Börsen. Dadurch fließen gewaltige physische Bestände nach China, ohne dass der offizielle Papiergold-Preis im Westen (London/New York) sofort stark nach oben getrieben wird. Schätzungen zufolge importiert China bis zu viermal mehr Gold, als offiziell gemeldet wird.
3.Gold als Kollateral: Warum Repo-Geschäfte in London ein Problem sind
Ein zentraler Kritikpunkt Gregersens betrifft die Praxis westlicher Großbanken: In London bevorzugen sie sogenannte Repo-Geschäfte. Dabei „verkauft“ der Kunde sein Gold rechtlich an die Bank, die diese Forderung auf dem Papier vielfach weiterverkaufen kann – das Gold bleibt also nicht im echten Besitz des Kunden.
Als Gegenmodell baut Gregersen in Singapur und Hongkong – wo er im Juli 2026 eine Money-Lending-Lizenz erhält – ein echtes Kollateralsystem auf: Kunden, Firmen und Family Offices behalten den rechtlichen Titel an ihrem physischen Gold, können es aber als Sicherheit hinterlegen, um zinsgünstige Kredite zu erhalten.
4.Die Gefahr von Gold-Nationalisierungen
Historisch neigen Staaten in extremen Krisen dazu, Gold zu verstaatlichen – wie die USA 1933 mit der Executive Order 6102. Gregersen warnt: Sollte es künftig zu einer US-Nationalisierung kommen, könnte dies über das Banken- und Swift-System auch deutsche Banken und deren Goldbestände treffen, da diese an US-Regularien gebunden sind.
Silver Bullion positioniert sich hier bewusst außerhalb: Das Unternehmen operiert komplett außerhalb des westlichen Bankensystems und unterliegt ausschließlich singapurischem Recht. Bei Anfragen aus den USA würde man die US-Autorität schlicht ablehnen, so Gregersen.
5.Silber: Physisches Defizit trifft auf Papier-Preis
Der Silberpreis wird im Westen laut Gregersen stark durch extrem gehebelte Terminkontrakte (Papier-Silber) bestimmt und verzerrt. Im Oktober kam es dennoch zu einem extremen Engpass an physischem Silber in London, wodurch die Leasingraten für physisches Metall kurzzeitig auf bis zu 100 % explodierten.
Durch den massiven Ausbau von Solaranlagen und E-Mobilität ist die physische Industrienachfrage nach Silber extrem hoch, während die weltweiten Bestände abnehmen. Gregersen rechnet innerhalb des nächsten Jahres mit erneuten, heftigen Engpässen und schnellen Preissprüngen.
6.Das Kino-Gleichnis: Wie sich eine Vertrauenskrise entlädt
Gregersen vergleicht den plötzlichen Vertrauensverlust in eine Währung mit Menschen in einem Kino: Wenn die ersten paar Personen panisch den Saal verlassen, reagiert kaum jemand – ab der siebten oder achten Person rennen plötzlich alle gleichzeitig los.
- Zu Beginn einer Panik fällt der (Papier-)Preis für Gold und Silber oft, weil Trader andere Positionen glattstellen müssen.
- Der Aufpreis (Premium) für physische Münzen und Barren schießt in der Realität jedoch sofort drastisch nach oben – physisches Metall ist mitten in der Krise kaum noch zu bekommen.
Fazit
Gregor Gregersens Interview zeichnet das Bild einer schleichenden, aber tiefgreifenden Verschiebung im globalen Finanzsystem: eine wachsende Vertrauenskrise um den US-Dollar, eine gezielte, verdeckte Goldstrategie Chinas und strukturelle Schwächen im westlichen Papiergold- und Repo-System. Für Anleger in Deutschland liegt die zentrale Botschaft in der Frage nach echtem Eigentum, Lagerort und Rechtsraum der eigenen Edelmetallbestände – lange bevor eine Krise überhaupt sichtbar wird.