Manuel Grotz
Manuel Grotz Privatanleger · Aktionärsforum Bodensee
Mega-Themen abseits von KI: Robert Halver packt im Interview aus
Marktanalyse & Trends • Biallo Interview

„Mega-Thema neben KI – Das braucht man!“

Kapitalmarktanalyst Robert Halver packt im Interview aus und spricht über Geopolitik, den Rohstoff-Superzyklus, Schwellenländer und kommende Mega-IPOs.

Die Finanzmärkte stehen aktuell unter dem Einfluss massiver geopolitischer Spannungen und technologischer Umbrüche. Im aktuellen Interview bei „Finanzexperten im Interview – biallo“ teilt Robert Halver, erfahrener Kapitalmarktanalyst der Baader Bank, seine gewohnt klaren und pragmatischen Ansichten zur aktuellen Lage an den globalen Märkten.

Geopolitik und die Irankrise

Trotz der seit rund drei Monaten anhaltenden Spannungen im Nahen Osten und der Sorge vor Blockaden in der Straße von Hormos bleibt Halver verhältnismäßig gelassen. Zwar belaste die Krise über die Terminmärkte kurzfristig den Ölpreis, doch die westliche Welt sei heute weit weniger abhängig vom Öl dieser Region als bei früheren Krisen. Er rechnet mit einem „schmutzigen Kompromiss“ zur Deeskalation, da schlussendlich auch der Iran sein Öl verkaufen müsse und die USA unter Donald Trump das Thema vom Tisch haben wollen.

Das Verhältnis USA und China: Eine „Hassliebe“

Das jüngste Treffen zwischen Trump und Xi Jinping beschreibt Halver als eine klassische Vernunftehe bzw. Hassliebe. Beide Supermächte sind Systemkonkurrenten in Bereichen wie Hightech, Raumfahrt und Biotechnologie, aber wirtschaftlich unzertrennlich aneinander gebunden: China benötigt den US-Absatzmarkt, die USA wiederum Chinas Seltene Erden.

Kritisch sieht Halver jedoch die wirtschaftliche Zukunft Chinas. Die dortige Kommandowirtschaft leide unter mangelnder Transparenz, einer schwachen Binnenkonjunktur und demografischen Problemen. Investitionen in chinesische Aktien sieht er aufgrund unvorhersehbarer staatlicher Eingriffe mit Skepsis.

Der Gewinner: Emerging Markets (Schwellenländer)

Während China schwächelt, emanzipieren sich andere Schwellenländer (z. B. Südkorea, Indien, Mexiko, Brasilien). Sie haben laut Halver alte „deutsche Wirtschaftstugenden“ wie Leistungsprinzip, Zuverlässigkeit und Qualität übernommen. Ein schwächerer US-Dollar spiele ihnen zusätzlich in die Karten. Schwellenländer gehören für ihn daher als flexibler Teil fest ins Depot.

Das nächste große Ding: Der Rohstoff-Superzyklus

Neben künstlicher Intelligenz (KI) sieht Robert Halver in Rohstoffen und Minenaktien das absolute Mega-Thema der kommenden Jahre. Der gigantische Energie- und Materialhunger der KI-Revolution (Rechenzentren, Infrastruktur) sowie der Ausbau alternativer Energien verschlingen Unmengen an Kupfer, Aluminium, Zink und Silber. Minenaktien seien historisch gesehen aktuell immer noch sehr günstig bewertet und bieten erhebliches Nachholpotenzial.

Historische Bewertungen, Raumfahrt & Mega-IPOs

Klassische Kennzahlen wie der Buffett-Indikator oder das Shiller-KGV von 40 machen Halver keine Angst mehr. Er betont, dass Notenbanken im Krisenfall ohnehin als Retter („Mutter Theresa“) einspringen und die technologische Entwicklung (KI, Biotech) gerade erst am Anfang steht. Investitionen in KI werden sich zukünftig massiv monetarisieren lassen.

  • SpaceX & Open AI: Die für den Sommer erwarteten Börsengänge (IPOs) bringen die nötige „Salz in die Börsensuppe“ und psychologische Aufbruchstimmung, auch wenn Kleinanleger anfangs schwer an Stücke herankommen werden. Raumfahrt hat laut Halver nichts mehr mit Science-Fiction zu tun, sondern ist ein hochkommerzielles Milliardengeschäft.
  • Japan vs. Deutschland: Der japanische Nikkei glänzt durch Steuersenkungen und massive Zukunftsinvestitionen, während Deutschland durch bürokratische Hürden und mangelnde Reformen der aktuellen Regierung politisch eingehämmert werde. Dennoch warnt er davor, deutsche Weltmarktführer (speziell aus der zweiten Reihe wie dem MDAX) vorschnell abzuschreiben, da deren Know-how global agiert.
  • Gold als letzte Absicherung: Trotz steigender Zinsen bleibt Gold für Halver der ultimative Schutz ohne Gegenparteirisiko, den man niemals komplett verkaufen sollte.

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