Manuel Grotz
Manuel Grotz Privatanleger · Aktionärsforum Bodensee
Neue Gründerzeit: Der Appell, den Deutschland jetzt braucht
Wirtschaft & Finanzpolitik

Neue Gründerzeit: Der Appell, den Deutschland jetzt braucht

Veröffentlicht am 19.06.2026 · Wirtschaftspolitik & Startups · Lesezeit ca. 4 Min.

Monatlich 10.000 Industriearbeitsplätze weg, ein unter Druck stehendes Exportmodell und geopolitische Unsicherheiten wohin man schaut – der Startup-Verband schlägt Alarm. Mit einer klaren Initiative und 10 konkreten Forderungen an die Politik wollen über 100 namhafte Erstunterzeichner Deutschland in eine neue wirtschaftliche Ära führen.

Das Kernargument: Deutschland hat alle Voraussetzungen – exzellente Forschung, Top-Talente, industrielle Stärke und eine neue Generation von Gründern. Was fehlt, sind die richtigen Rahmenbedingungen. Bereits heute arbeiten 500.000 Menschen in deutschen Startups und Scaleups. Daraus könnten die globalen Champions von morgen entstehen – wenn die Politik jetzt handelt.

Warum gerade jetzt?

Allein 2025 verlor Deutschland Monat für Monat rund 10.000 Industriearbeitsplätze. Handelskonflikte, der demografische Wandel und geopolitische Verwerfungen setzen das bisherige Exportmodell massiv unter Druck. Der Startup-Verband sieht darin nicht nur eine Bedrohung, sondern eine Weggabelung: Entweder Deutschland umsteuert – oder es verliert den Anschluss an die Länder, die beim Thema Innovation mutig vorangehen.

Der Koalitionsausschuss am 1. Juli gilt als entscheidende Gelegenheit: Bei Steuern, Rente, Arbeitsmarkt und Bürokratieabbau brauche es jetzt keine weiteren Studien, sondern konkrete Reformen.

Die 10 Forderungen im Überblick

Der vollständige Appell steht auf der Seite des Startup-Verbands. Hier die 10 Kernforderungen kompakt:

1 Altersvorsorge als Kapitalmotor

Kapitalgedeckte Elemente in allen drei Säulen der Altersvorsorge stärken – mit Venture Capital als elementarem Investitionsbaustein.

2 WIN: Institutionelle Investoren mobilisieren

Steuerliche und regulatorische Hürden für VC abbauen, Kapitalmarktunion auf EU-Ebene vorantreiben.

3 Kündigungsschutz flexibilisieren

Gezielte Flexibilisierung für Spitzenpositionen mit hohen Gehältern – um Talente schneller zu gewinnen und zu binden.

4 Mitarbeiterkapitalbeteiligung vereinfachen

Sozialabgaben erst bei tatsächlichem Geldeingang, nicht bereits bei Anteilsvergabe. Eigene Anteilsklasse für Mitarbeitende im GmbH-Recht.

5 EU Inc. voranbringen

Bundesregierung soll sich aktiv für die EU Inc. einsetzen und Verwässerung des Kommissionsentwurfs verhindern.

6 DMA konsequent durchsetzen

Klares Eintreten für europäische Digitalinteressen und strikte Anwendung des Digital Markets Act gegenüber der Kommission.

7 Bürokratie zurückbauen

Flächendeckende 24-Stunden-Gründung umsetzen und ein Moratorium für neue bürokratische Belastungen.

8 Ausgründungen & DeepTech stärken

Nationale IP-Strategie mit Fokus auf Ausgründungen, Entrepreneurship-Education an Hochschulen und Forschungsinstituten.

9 Staat als Ankerkunde

Öffentliche Beschaffung konsequent für innovative Unternehmen öffnen, meilensteinbasierte Förderung für DeepTech-Startups.

10 KI-Rechenkapazität aufbauen

Massive Kapitalmobilisierung für Rechenzentren, faire Zugangsbedingungen – damit Europa nicht dauerhaft von US-Hyperscalern abhängt.

Wer steht dahinter?

Die Initiative wird von Verena Pausder (Vorstandsvorsitzende des Startup-Verbands) und Christoph J. Stresing (Geschäftsführer) angeführt. Über 100 namhafte Erstunterzeichner haben sich bereits hinter den Appell gestellt – darunter Gründerinnen wie Lea-Sophie Cramer und Kati Ernst, VC-Schwergewichte wie Christian Meermann (Cherry Ventures) und Hanno Renner (Personio-Gründer), aber auch Stimmen aus der klassischen Wirtschaft wie René Obermann (Airbus-Chairman) und Brigitte Zypries (ehemalige Bundesministerin).

Mein Blick darauf: Die Forderungen sind kein Wunschzettel – sie sind handwerklich präzise. Besonders Punkt 4 (Mitarbeiterbeteiligung) und Punkt 1 (Altersvorsorgekapital in VC) sind Themen, die seit Jahren diskutiert werden, aber an politischem Willen scheitern. Wenn dieser Druck diesmal anhält, könnte 2026 tatsächlich ein Wendejahr sein.

Den vollständigen Appell lesen, unterzeichnen und mehr über die Initiative erfahren:

→ Zur Initiative „Neue Gründerzeit“
Startup-Verband Wirtschaftspolitik Gründen Venture Capital Standort Deutschland DeepTech Mitarbeiterbeteiligung

Quelle: Startup-Verband – Neue Gründerzeit

Hinweis: Dieser Beitrag ist ein redaktioneller Plug und gibt die Inhalte der Initiative des Startup-Verbands wieder. Er stellt keine Anlage- oder Wirtschaftsberatung dar. Alle Aussagen basieren auf öffentlich zugänglichen Quellen.
Tags
Altersvorsorge Venture Capital Bürokratieabbau Startups DeepTech Förderung Deutschland Digitale Infrastruktur KI Deutschland EU Inc. Deutschland Gründen in Deutschland Koalitionsausschuss Wirtschaft Kündigungsschutz Reform Mitarbeiterbeteiligung Startup Neue Gründerzeit Standort Deutschland Wettbewerb Startup-Verband Deutschland Venture Capital Deutschland WIN Programm Deutschland Wirtschaftspolitik 2026

⚠️ Disclaimer: Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Alle Angaben ohne Gewähr. Vergangene Performance ist kein Indikator für zukünftige Ergebnisse.

← Vorheriger Artikel
Neuer §6f EStG 2026: So ändert sich die Immobilien-AfA
Nächster Artikel →
Günther bei Lanz: Anwalt zieht vor das Bundesverfassungsgericht